— Brunsbüttel —

Schleusenbau  in Brunsbüttel verzögert sich um Jahre

von Redaktion Donnerstag, 1. März 2018 15:31 Uhr


Brunsbüttel -

Das Jahr 2020 wird längst nicht mehr als Fertigstellungstermin für die fünfte Schleusenkammer in Brunsbüttel genannt. Aus Expertenkreisen heißt es inzwischen sogar, dass sich der Bau um Jahre verzögern wird. 

Thomas Fischer, Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Brunsbüttel, dementiert das Gerücht nicht: „Das kann ich auch nicht, weil ich schlichtweg zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiß, wann die Schleuse fertig wird.“ Fakt ist, dass das erste Schiff nicht 2020 das Bauwerk passieren wird. „Ob wir nun gleich über mehrere Jahre sprechen, die das Ganze länger dauert, weiß ich noch nicht.“ Einen neuen Termin werde er nicht nennen. 

Fischer: Verzögerungen nicht ungewöhnlich

Bei einer derart großen Baumaßnahme würden immer wieder Störungen auftauchen, für die erst technisch oftmals aufwendige Lösungen gefunden werden müssen, bevor es richtig weitergehen kann. „Dann stellt die Baufirma eine zusätzliche Rechnung, nicht selten mit einer siebenstelligen Summe, und wir als Behörde müssen das prüfen. Diese Vorgänge sollte man nicht unterschätzen.“ Und nicht zu vergessen: Die größte Wasserbaustelle Europas ist eine logistische Herausforderung, weil alle Arbeitsmaterialien, Baugeräte und auch jeder Arbeiter mit einer Fähre auf die Schleuseninsel transportiert werden müssen. 

Enorm viel Zeit habe vor allem die Kampfmittelräumung gekostet, die viel länger gedauert hat als erwartet. Mehr als 1000 Verdachtsfelder mussten untersucht werden. „Blindgänger aus dem Krieg haben wir glücklicherweise nicht gefunden“, so Fischer. Inzwischen seien die Arbeiten so gut wie abgeschlossen. 

Rückbau der Schleuseninsel ab April

Im April soll der Rückbau der Schleuseninsel beginnen, und zwar elbseitig. Riesige Erdmassen müssen bewegt werden. Außerdem sollen die Kammerwände in diesem Jahr fertig werden. „Etwa die Hälfte haben wir schon geschafft.“ Für den Bau der Kammerwand kommt ein Spezialgerät zum Einsatz – der Schlitzwandgreifer. „Er ist bereits bestellt und wird in Kürze an der Baustelle erwartet“, so Fischer. Er baggert 1,20 Meter breite und 40 Meter Tiefe Schlitze, jeweils acht Meter lang. Einen nach dem anderen, hintereinander. Direkt während des Bodenaushubs wird in jeden Schlitz ein Bentonit-Gemisch gepumpt. Das aufwendige Schlitzwandverfahren hat man gewählt, weil nur eine erschütterungsarme Bauweise erlaubt ist, die allerdings Zeit kostet. Würde ein Rammhammer eingesetzt, könnten die mehr als 100 Jahre alten Schleusen beschädigt werden. 

Die Baugrube für das Außenhaupt ist mittlerweile fast komplett ausgehoben. „Für das Innenhaupt sind wir noch nicht so weit.“ 

Die alte Mole 3 ist zurückgebaut und das restliche Molenfeuer demontiert worden. An dieser Stelle wird keine neue Mole mehr gebaut, da der neu gestaltete Einfahrtsbereich mit insgesamt drei statt vier Molen auskommen wird. 





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