Dithmarschen

Schutz vor Fahrraddieben

Von Henning Voß

Heide - Es ist der Klassiker: Nur mal schnell beim Bäcker ein Brötchen holen. Das Fahrrad wird einen Moment abgestellt. Kurz darauf der Schreck: Das Rad ist weg. Es war nicht abgeschlossen. Doch nützen Schlösser wirklich etwas? Unsere Redaktion hat Sicherungssysteme unter die Lupe genommen und Expertentipps gesammelt.

Getestet haben wir exemplarisch neben einem Billigschloss für knapp zehn Euro das etwa 50 Euro teure Bügelschloss BS 650 von Trelock und spezielle Radverschlüsse von Pitlock: Das knapp 60 Euro teure Set 01 für Vorderrad und Sattelstütze sowie das 55 Euro teure M 10 für Narbenschaltungen. Neben Siegfried Schoop, Verkehrsexperte der Polizei, stellte sich mehrere Freiwillige als Schlossknacker zur Verfügung: Rüdiger Sielemann vor der Freiwilligen Feuerwehr Wolmersdorf hatte gleich zwei Bolzenschneider im Gepäck, der Handwerker Ronny Uhrhammer brachte einen Akku-Winkelschleifer mit, und der Zweiradmechaniker Rolf August griff tief in seine Werkzeugkiste: Unterschiedliche Zangen und ein etwas unhandlicher, aber wegen seiner Stiellänge effektiver Bolzenschneider. Mit vereinten Kräften ging es den Testkandidaten äußerst rabiat an den Kragen. Um es vorwegzunehmen: Ein gutes Schloss macht Fahrraddieben das Leben außerordentlich schwer.

Wir begannen mit einem Seitenschneider. Bei dem Bügelschloss hatte es keinen Sinn, anders bei dem Billigheimer. Hier war es zwar ein wenig mühselig, aber mit etwas Geduld war es in innerhalb einer guten Minute geschafft. Ein geübter Dieb hätte das Schloss mit dem handlichen Werkzeug in deutlich kürzerer Zeit geknackt. Noch schneller ging es mit den Bolzenschneidern, die Sielemann in Sekundenschnelle mühelos durch das dünne Stahlgeflecht biss. Auch dieses Werkzeug richtete bei dem massiven Bügelschloss keinen nennenswerten Schaden an, lediglich die Gummi-Ummantelung wurde etwas unansehnlich. Den Garaus machte dem Bügelschloss erst Uhrhammer mit dem Akku-Winkelschleifer. Allerdings ist dieser vermeintliche Erfolg mit Vorsicht zu genießen. Der geübte Handwerker benötigte trotz einer speziellen Schneidescheibe alles in allem etwa drei Minuten – zu lang für die meisten Diebe. Außerdem ist sein Vorgehen laut und wegen des Funkenfluges weithin sichtbar. „Mit dem Werkzeug schafft man jedes Metall. Aber es ist viel zu auffällig“, befand der Tischler. Auch andere Hilfsmittel wie Schlagschlüssel oder Eisspray sind Schoop zufolge nicht so einfach anzuwenden: „Das ist nur etwas für Profis“, sagt der Polizist.

Blieb der Radverschluss. Mehr als 100 Euro müssen in eine Komplettlösung am Rad investiert werden. Doch das Geld ist nicht verschwendet: Die Spezial-Schrauben hielten sämtlichen Angriffen stand. Außen angesetzt, rutschte jede Zange ab, auch innen gab es keinen Ansatzpunkt. Erst mit der Spezialnuss des Herstellers gaben sie nach. Fazit: Radverschlüsse und ein teures Schloss sind gute Schutzmaßnahmen. Aber: „Gelegenheit macht Diebe“, sagt Siegfried Schoop. Der Verkehrsexperte der Polizei warnt ausdrücklich davor, Langfingern das Leben leicht zu machen. Dazu gehört natürlich zu allererst, das Zweirad überhaupt abzuschließen. „Am besten nicht freistehend, sondern an einem festen Punkt wie einem Fahrradständer oder einem Laternenpfahl“, sagt Schoop. Er rät außerdem, mindestens 50 Euro in ein Schloss zu investieren. „Einfache Zahlenschlösser sind kein Schutz. Außerdem sollte des Material VA-Stahl sein, kein Druckguss. Der Polizist sieht zudem den Fachhandel in der Pflicht, beim Diebstahlschutz umfassend zu beraten.

Ina Horstmann vom Schlosshersteller Trelock ergänzt: „Generell erschwert die Sicherung durch zwei Fahrradschlösser den Diebstahl erheblich. Die Maßnahme, das Schloss soweit wie möglich oben am Fahrradrahmen anzubringen, damit der Dieb das Werkzeug nicht am Boden abstützen kann, hilft zusätzlich.“

Sicherheit sollte jeder Radler also beherzigen, denn Fahrraddiebstähle sind in Dithmarschen keine Seltenheit. Zwar registrierte die Polizei vergangenes Jahr mit 521 Anzeigen einen Rückgang um 13 Taten, aber Anlass zur Beruhigung sollte das nicht sein. Schoop ergänzt, dass die Dunkelziffer hoch sei, nicht jeder Diebstahl werde angezeigt. „Wir hatten 2015 in Dithmarschen insgesamt 534 Fahrraddiebstähle, davon im Revierbereich Heide 362“, teilt Polizeisprecherin Merle Neufeld mit. „110 davon ohne erschwerende Umstände.“ Die Kreisstadt genießt den zweifelhaften Ruf, gemessen an der Einwohnerzahl eine Hochburg der Drahtesel-Langfinger im Bundesgebiet zu sein. Landesweit werden pro Jahr nach Polizeiangaben etwa 1500 Fahrraddiebstähle gemeldet.