Büsum

Sechs Wochen Zwangspause für Krabbenfischer

So etwas haben die Fischer noch nicht erlebt: Sie müssen sechs Wochen im Hafen bleiben, weil der Handel es ablehnt, weitere Krabben anzunehmen. Die Kühllager sind bis oben hin voll.

„Das sind ganz schlechte Nachrichten“, sagt Hans Böcker, Vorsitzender des Fischereivereins Büsum. Das Problem für viele: Sie haben weiterhin laufende Kosten, müssen Versicherungen und Kredite bedienen und ihre Mitarbeiter bezahlen. Außerdem ist seit Wochen der Preis für Krabben aufgrund der großen Bestände und Fangmengen im Keller. „Wir bekommen drei Euro pro Kilogramm. Das gab es früher auch schon, aber heute dürfen wir nur 1500 Kilogramm Krabben pro Woche anlanden“, erläutert Böcker. Und demnächst dürfen sie überhaupt keine mehr fangen. Selbst bei den 1500 Kilo pro Woche müsse der Preis für die Fischer bei fünf bis sechs Euro liegen, um die Kosten zu decken.

Allerdings war diese Entwicklung abzusehen. Seit vergangenem Spätsommer fangen die Fischer Krabben wie noch nie. Rekordmengen wurden 2018 angelandet, sodass sich die Fischer schon im September ein freiwilliges Wochenendfangverbot auferlegten. Dass auch im Winter kräftig weiter Garnelen gefangen wurde und die Bestände nach wie vor groß sind, damit haben viele Fischer nicht gerechnet und auch der Handel nicht. Und so müssen die 18 Büsumer und die 26 Friedrichsköger Kutter zwischen Mai und August sechs Wochen lang im Hafen bleiben. Je nach Großhändler sind die Zeiträume unterschiedlich. Einige planen zwei mal drei Wochen Pause, anderen dreimal zwei Wochen.

Für Ralf Krippner, seit 33 Jahren Fischer und stellvertretender Vorsitzender des Fischereivereins, mit seinem Kutter Seefuchs ist diese Entwicklung bedauerlich. „Ich mache seit Jahren von Dezember bis März Winterpause, weil das Fischen in der Zeit schwierig ist und die Fänge meist nicht gut sind“, sagte er. Wenn er geahnt hätte, dass ein wochenlanges Fangverbot kommt, hätte er anders gehandelt. „Dann wäre ich auch im Winter rausgefahren. Das war ein Fehler, das nicht zu tun“, sagt der 54-Jährige. Ihn trifft es von der 21. bis zur 23. Kalenderwoche im Mai und von der 31. bis zur 33. Kalenderwoche im August. Krippner hofft, dass sich bis August die Fangmengen reduzieren und das Fangverbot bis dahin wieder aufgehoben wird.

Die Zwangspause will er nutzen, um sein Schiff auf Vordermann zu bringen. „Sonst müssen wir immer im laufenden Betrieb Malen, Instandhalten und ähnliches machen“, sagt er. Andere Fischer, so Hans Böcker, würden anstatt auf Krabben Schollen oder Seezungen fangen. Das sei eine Alternative. „Aber dafür benötige ich einen Mann mehr an Bord, außerdem muss anderes Fangeschirr her“, erläutert Krippner.

„Eigentlich haben wir unsere Rücklagen gebildet, um davon künftige Investitionen bezahlen zu können und nicht um laufende Kosten zu decken, weil wir keine Einnahmen haben“, beschrieb Böcker. In Deutschland gehen pro Jahr durchschnittlich 10 000 bis 14 000 Tonnen Nordseekrabben in die Netze von rund 200 Kuttern. Im Büsumer Hafen wurden im vergangenen Jahr 3200 Tonnen Krabben angelandet.