Meldorf

Sprengversuche und Fahrstunden: Iraker wegen Terrorplänen angeklagt

Sie planten von Meldorf aus einen Anschlag in Deutschland mit möglichst vielen Toten. Aber für eine Waffe fehlte das Geld - und die Ermittler konnten rechtzeitig zugreifen. Nun sollen die drei Männer vor Gericht.

Vor gut einem halben Jahr ließen Ermittler eine mutmaßliche islamistische Terrorzelle in Meldorf hochgehen - jetzt rückt ein Prozess gegen die drei Iraker näher. Sie sollen einen Anschlag in Deutschland vorbereitet haben. Deshalb hat die Bundesanwaltschaft am Hamburger Oberlandesgericht nun Anklage erhoben, wie die Behörde in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte.

Die Männer waren Ende Januar in Meldorf festgenommen worden und sitzen seither in Untersuchungshaft. Die beiden jüngeren, deren Alter damals mit 23 Jahren angegeben wurde, sollen den Anschlag seit Ende November 2018 geplant haben. Ein konkretes Ziel hatten sie aber noch nicht.

Den Ermittlern zufolge unternahmen sie erste Sprengversuche mit Schwarzpulver aus Silvesterböllern. Über den dritten Angeklagten, einen gemeinsamen Freund, wollten sie demnach außerdem eine Schusswaffe besorgen - «um eine möglichst große Anzahl von Menschen nichtmuslimischen Glaubens zu töten oder zu verletzen». Das angebotene Modell sei ihnen dann aber zu teuer gewesen.

Zuletzt hätten sie den Einsatz von zehn Kilogramm des Sprengstoffs TNT und eines Fahrzeugs erwogen. Zur Vorbereitung nahmen sie Theoriestunden in einer Fahrschule, wie es weiter hieß.

Bei den Festgenommenen hatte es zunächst Ungereimtheiten wegen der Namens- und Altersangaben gegeben. Inzwischen seien die Identitäten geklärt, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die beiden jüngeren Männer heißen demnach - wie ursprünglich mitgeteilt - Shahin F. und Hersh F. Der Name des dritten Mannes war zunächst mit Rauf S. angegeben worden, tatsächlich heißt er Sarkawt N.. Im Januar hatte es geheißen, er sei 36. Neue Altersangaben wurden nicht gemacht.

Wie aus einem Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) von Anfang Juli hervorgeht, sind die beiden jüngeren Männer Cousins. Der BGH hatte damals die Haftbeschwerde eines der Festgenommenen verworfen. Alle drei Männer waren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen.

Laut Bundesanwaltschaft hatten Shahin F. und Hersh F. übers Internet auch Kontakt zu zwei Islamisten im Ausland. Diese hätten ihnen Unterstützung versprochen. Die Experimente mit dem Schwarzpulver sollen sie auch schon aus der Ferne angeleitet haben. Einer der Männer war im Dezember in Großbritannien festgenommen worden - bevor er den Angeklagten eine Zündvorrichtung schicken konnte.

Den Ausführungen des BGH zufolge hingen beide Cousins der Ideologie des Islamischen Staates (IS) an. Die Hinweise reichten aber nicht für eine Anklage wegen Mitgliedschaft in der Terrorvereinigung.

Die Bundesanwaltschaft wirft Shahin F. und Hersh F. die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor. Sarkawt N. ist angeklagt, weil er ihnen dabei geholfen haben soll.