St. Michaelisdonn

St. Micheler Pastor verweigerte Treueid auf Hitler

Der Pastor Friedrich Slotty hat sich geweigert, den Treueid auf Hitler abzulegen. Manche Pastoren teilten seine Bedenken und äußerten dies auch, aber der St. Micheler Pastor blieb der einzige in Schleswig-Holstein, der an der Verweigerung festhielt.

Friedrich Slotty stammte aus einer schlesischen Handwerkerfamilie. Er war verheiratet und hatte sieben Kinder. Ein besonderes Schicksal hatte der 1915 geborene Sohn Helmut. Helmut erkrankte als kleines Kind an einer Enzephalitis. Er blieb darauf sein Leben lang geistig und körperlich schwerstbehindert. Gerade diesen Sohn hat Slotty besonders geliebt und umsorgt. Er hat ihn gefüttert, ihm viel vorgesungen und ihn so viel als möglich um sich gehabt. 

Nach der nationalsozialistischen Weltanschauung waren Behinderte „unnütze Esser“. Mehr als Hunderttausend von ihnen wurden umgebracht. Slotty war sich der Gefahr für seinen behinderten Sohn bewusst. Er war seinem Sohn in tiefer Liebe verbunden, und er war entschlossen, ihn zu schützen. Helmut starb mit 35 Jahren. Friedrich Slotty sagte: „Ich habe ihn nie als Last empfunden, wohl aber als eine Prüfung.“

Von den sieben Kindern Slottys lebt nur noch der jüngste Sohn, Dr. med. Stephan Slotty. Der hat seinen Vater als einen sehr stillen und ernsten Menschen erlebt. Jeden Morgen und jeden Abend hat er lange auf den Knien gebetet. In den Gebeten wurde vor allem an alle leidenden, kranken und verfolgten Menschen gedacht. Die leidende Kreatur lag ihm am Herzen.

Während des Dritten Reiches standen sich in der Kirche zwei Parteien gegenüber. Die sogenannten Deutschen Christen, die der NSDAP nahe standen, und die Bekennende Kirche, die mit dem Namen Dietrich Bonhoeffer verbunden ist. Slotty gehörte zur Bekennenden Kirche, sein Dienstvorgesetzter Propst Johann Martin Bünz zu den Deutschen Christen. 

Schon 1934 schrieb Slotty öffentlich, der Nationalsozialismus sei eine Irrlehre, durch die die Jugend und das Volk verseucht würden. Natürlich lehnte er auch den Hitler-Gruß ab. 1938 folgte dann die Verweigerung des Treueides auf Hitler, den die nationalsozialistisch orientierten Kirchenleitungen von den Pastoren verlangten. Im Konfirmandenunterricht hat er auch so manches gesagt, was der Gestapo nicht gefiel. Mehrfach wurde er vorgeladen. Die Angst in der Familie war groß: Wird Vater abgeholt?

Am 15. April 1939, vor knapp 80 Jahren, wurde Slotty auf Drängen der Gestapo seines Pfarramtes enthoben. Er musste St. Michaelisdonn verlassen und kam mit seiner Familie in Lunden unter. Dort hat Slotty während der NS-Zeit kein kirchliches Amt bekleidet, aber er konnte inoffiziell kirchliche Aufgaben übernehmen, predigen, Taufen und Trauerfeiern halten. 

Der Propst hat seinem eigenwilligen Pastor Respekt entgegengebracht. Zu Slottys Verweigerung des Treueides schreibt er in einem Brief an das Kirchenamt: „Ich weiß, dass es Herrn Pastor Slotty mit seiner Stellungnahme sehr ernst ist und dass es ihm tatsächlich um die Verkündigung des Evangeliums geht.“ Bünz hat sich vor den Pastor gestellt, obwohl er dessen politische Haltung ablehnte. 

Slotty ist 1953 in Lunden gestorben. Nach der Auflösung des Lundener Grabes wurde sein Grabstein auf dem Friedhof in St. Michaelisdonn, östlich der Kirche, aufgestellt.

Autor: Thomas Schleiff, Quellen: Hans Peter Janssen: Von Rehedyk nach St. Michaelisdonn, 400 Jahre Kirchen- und Dorfgeschichte, 161-2011. Husum 2011. Persönliche Auskunft von Dr. Stephan Slotty.