Meldorf

Stiftung Naturschutz wertet den Speicherkoog für bedrohte Vögel auf

Während Patricia Wolff von den niedlichen Küken und dem herzzerreißenden Piepen im Frühjahr schwärmt, spricht Oliver Granke von wilden Kämpfen. Dabei haben beide dasselbe im Sinn und sagen: „Wir helfen Greta.“ Sowohl die Bäuerin als auch der Biologe wollen bedrohte Vogelarten schützen.

Deshalb sind sie gestern im Speicherkoog zusammengekommen, um sich die Arbeiten zur Vernässung anzuschauen. Seit vier Jahren hat Patricia Wolff mit ihrem Mann Hauke die Fläche der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein im nördlichen Speicherkoog am Wöhrdener Loch gepachtet. Dort grasen momentan 40 Kühe, 43 Kälber und zwei Bullen. Auf dem 63 Hektar großen Gebiet weiden allerdings nicht nur die Rinder der Biobauern. Die Tiere halten das unebene Areal vielmehr kurz für die Watvögel.

Vor allem hat sich die Stiftung die Vorsorge für die Uferschnepfe auf ihre Fahnen geschrieben, die wegen ihres Rufes Greta genannt wird. Doch dienen die Maßnahmen auch Kiebitz und Rotschenkel. „Wir haben hier das wichtigste Brutvogelvorkommen des Kampfläufers in Deutschland“, sagt Granke und nennt ein damit weiteres Tier. Der Leiter des Projektes Life Limosa spricht von eindrucksvollen Streitereien der Männchen um die Gunst der Weibchen. „Das ist spektakulär anzuschauen, dann wird der Koog zur Kampfarena.“ Allerdings hat die Art, die laut Granke früher ein „Allerweltsvogel“ war, einen entscheidenden Nachteil: „Es ist einer der anspruchsvollsten Vögel, die es gibt. Sie brauchen noch im Juni nasse Flächen.“ Die Brüter haben eines gemeinsam: alle sind sie „knalle-selten und super bedroht“, sagt Oliver Granke. Dementsprechend stehen sie alle auf der roten Liste.

Für sie werden seit fast drei Wochen vorhandene natürliche und künstliche Abflüsse, teils durch Erdstaue, teils durch neu zu bauende Überfahrten mit regulierbaren und verschließbaren Knierohren, geblockt. Weiterhin sollen so genannte Blänken, kleinere Tümpel mit periodisch wechselndem Wasserstand, ausgebaggert werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Stiftung Naturschutz zusammen mit ihren Partnern vor Ort umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um mehr Regenwasser in der Fläche zu halten. Weil dies erfolgreich war, werden jetzt die Maßnahmen an anderer Stelle im Koog in der Nähe von Nordermeldorf auf einer Fläche von insgesamt 380 Hektar fortgesetzt. Obwohl Granke das vergangene Jahr als Katastrophenjahr bezeichnet, konnten die Naturschützer beobachten: „Das funktioniert. Wir sind gedämpft optimistisch.“

Die Vögel, die gerne im Feuchten stochern, brauchen zum einen die nassen Flächen. Zum anderen dient das Wasser zur Abwehr von Fressfeinden. Denn die Wiesenbrüter haben ein „Prädatorenproblem“, also eines mit Beutefängern, so Granke. Dabei handele es sich vor allem um den Fuchs und den Marderhund. „Je nasser es ist, desto weniger gern kommen sie her.“

Der Speicherkoog biete ein ganz besonderes Areal, um die Watvögel bei ihrer Brut zu helfen. „Wir haben hier die höchste Schutzkategorie, es ist großflächig und es ist in öffentlichem Besitz“, sagt Granke.

Patricia und Hauke Wolff unterstützen die Mühen der Stiftung und haben einen klaren Wunsch. „Wir hoffen, dass das wirklich nachhaltig ist“, sagt Hauke Wolff. „Die Fläche zu pflegen ist nicht ganz einfach.“ Doch das ist notwendig. „Ohne Landwirte keine Wiesenvögel“, bestätigt Granke.