Dithmarschen

Süßes oder Saures? Eltern im Zwiespalt

Halloween und Süßigkeitensammeln in Coronazeiten – daran scheiden sich die Geister. Experten raten zum Verzicht, Elternvertreter jedoch plädieren: „Lasst den Kindern den Spaß!“

Süßes oder Saures – mit dieser keck-frechen Parole ziehen Jahr für Jahr an Halloween, also dem Abend vor Allerheiligen, Kinder von Tür zu Tür. Verkleidet als Hexen oder Gespenster bitten sie die Bewohner um Süßigkeiten, die sie in mitgebrachten Eimern, Taschen und Tüten verstauen. Doch wie kann der längst bei uns heimisch gewordene Brauch irischen Ursprungs in Zeiten von Corona funktionieren? Ist es zu verantworten, die Kinder am 31. Oktober auf Halloween-Tour gehen zu lassen?

Im Netz läuft die Diskussion seit Tagen heiß. Auch viele Dithmarscher Eltern treibt das Thema um. So findet sich zu Halloween der zigfach geteilte Aufruf, „Lasst es uns gemeinsam für die Kinder möglich machen“ mit der coronaregelkonformen Anweisung „Die Kinder stellen die Körbchen hin und nehmen Abstand“ und dem Fazit „Somit sind die Kinder überglücklich und keinem hat es wehgetan“. Andere bekunden, „bei uns wird es auf jeden Fall etwas für die Kinder geben.“

Doch auch entgegengesetzte Positionen tauchen auf, beispielsweise die Ankündigung „Bei uns gibt es wegen Corona dieses Jahr leider nichts. Keine kontaktlose Übergabe mit Mindestabstand möglich.“ Und auch die Meinung „Ich kann gar nicht verstehen, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder in Pandemiezeiten von Haustür zu Haustür laufen lassen“ wird geäußert.

Das Kieler Gesundheitsministerium setzt auf die Eigenverantwortung der Bürger und rät aufgrund der aktuellen Situation zu „großer Zurückhaltung“, Kontakte seien auf ein Minimum zu beschränken. Beim Von-Tür-zu-Tür-Ziehen könne es beispielsweise passieren, dass Mindestabstände zu den Bewohnern eines Hauses nicht eingehalten werden. „Das ist vor allem dann gefährlich, wenn es sich beispielsweise um Risikopatienten handelt, die gerade einen solchen spontanen Kontakt zu anderen Menschen möglichst versuchen zu vermeiden und unnötigerweise damit der Gefahr ausgesetzt werden, sich mit dem Coronavirus zu infizieren“, so ein Ministeriumssprecher. Rechtlich betrachtet handelt es sich beim Umherziehen an Halloween nicht um eine Veranstaltung, sondern um einen „gemeinsamen privaten Zweck, zu dem maximal zehn Personen oder die Angehörigen zweier Haushalte zusammenkommen dürften“.

Die Landeselternvertretung der Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein kann die Diskussion um Halloween nicht verstehen. „Wir befürworten das von Haus-zu-Haus-Ziehen ausdrücklich. Es findet schließlich an frischer Luft statt und die Kinder bringen frische Energie tütenweise nach Hause“, sagt Vorstandsmitglied Axel Briege. Die Kinder litten stark unter den pandemiebedingten Einschränkungen, da sollte man ihnen nicht auch noch Halloween verbieten, sagte er. „Das Fest beinhaltet alles, was Kindern Spaß macht und in den vergangenen Monaten teilweise zu kurz gekommen ist.“