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Norwegen-Kabel landet in Büsum an

Das Nordlink-Projekt verbindet deutsche Windenergie mit norwegischer Wasserkraft. Am Mittwoch ist der Deich bei Büsum unterquert worden. Das Projekt soll Ende 2020 abgeschlossen sein.

Langsam senkt der Kran an Bord des Kabelverlegers Buka Connector das Kabel herab und führt es in ein Rohr, das etwa 300 Meter vor dem Deich von Stinteck aus dem Watt ragt. Konzentriert verfolgen Arbeiter den Vorgang.

Dieser Mittwoch ist ein wichtiger Tag für das Nordlink-Projekt. Am frühen Morgen, gegen 5.45 Uhr, wird das Endstück des masseimprägnierten Kabels im Watt vor Westerdeichstrich durch ein Leerrohr gezogen, 480 Meter weiter kommt es nach etwa einer Dreiviertelstunde wieder zum Vorschein. „Wir schaffen im Durchschnitt etwa sieben Meter pro Minute“, sagt Tennet-Projektleiter Gunnar Spengel. Er steht im Watt neben dem Kabelverleger Buka Connector und verfolgt aufmerksam das Geschehen. Nichts soll schiefgehen in diesen Morgenstunden. Schließlich geht es darum, die Strommärkte in Norwegen und Deutschland zu verbinden.

Nordlink heiß das 2012 begonnene Projekt, das die Tennet „einen Meilenstein bei der Realisierung der Energiewende“ nennt. Ab Ende 2020 soll es den Austausch von Ökostrom zwischen den beiden EU-Staaten ermöglicht. Das erfordert viel Fachwissen, viel Planung, viel Material – und viel Geld: Zwei Milliarden Euro fließen in das Großprojekt, das ein Konsortium finanziert. 50 Prozent tragen der norwegische Übertragungsnetzbetreiber Statnett auf der einen Seite sowie die Tennet und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf der anderen Seite. Aus diesem Grund ist Spengel nicht der einzige Projektleiter vor Ort. Seine Kollegen Stein-Harvard Auno von Statnett, Dr. Heinz Staake von der KfW sowie Gerd-Wolf Balk von NKT stehen neben ihm. Die Firma NKT zieht die Kabel unterm Watt und im Erdreich ein.

Bevor überhaupt ein Meter von den riesigen Spulen abgerollt werden konnte, die an Deck des Spezialschiffes angebracht sind, musste das Konsortium etliche Vorarbeiten erledigen. „Der Landesschutzdeich wurde bereits im Sommer 2017 mit zwei circa 480 Meter langen Horizontalbohrungen unterquert“, teilt Tennet-Sprecher Mathias Fischer mit. In die Bohrlöcher wurden anschließend Leerrohre eingezogen, die wiederum die Kabel aufgenommen haben.

Ein paar Schaulustige beobachten auf der Deichkrone das Treiben im Watt, Proteste von Naturschützern gibt es an diesem Morgen nicht. Im Vorfeld ist geklärt worden, unter welchen Bedingungen dieser Eingriff in das Unesco-Weltnaturerbe erfolgen kann. Das Ergebnis: Das Leerrohr verläuft zwischen 1,80 und drei Metern Tiefe im Wattboden, an Land sind es 1,60 Meter. Verlegt werden zwei Gleichstromkabel: ein Plus- und ein Minuspol, es hat eine Kapazität von 1400 Megawatt.