Brunsbüttel

Brunsbüttelerin engagiert sich seit Jahren gegen den Stierkampf

Brunsbüttelerin Christiane Schulze setzt sich seit vielen Jahren in Spanien für das Ende der Stierkämpfe ein. Gerade war sie wieder in Pamplona hat und hat protestiert. 

Während ihres Studiums in Holland entschied sich Christiane Schulze für ein Auslandssemester in Barcelona. Die spanische Stadt gefiel ihr so gut, dass die Brunsbüttelerin nun schon seit neun Jahren dort lebt. 

Umstrittene Tradition

Stierkämpfe sind in Spanien beheimatet. Sie werden aber auch in Portugal, Südfrankreich und in einigen lateinamerikanischen Ländern ausgetragen. Die Wurzeln dieser Tradition gehen in die römische Antike zurück. Im Mittelalter war das Töten eine Art Freizeitgestaltung für die Ritter. Der ungleiche Kampf kostet bisweilen nicht nur Tieren das Leben. So werden in der Arena immer wieder Toreros tödlich verletzt. Tote gibt es außerdem jährlich in den Gassen, durch die die Tiere gehetzt werden. Spanien hadert mit diesem Teil seiner Kultur: Knapp eineinhalb Jahre war das Töten der Stiere auf Mallorca untersagt - durch ein Verbots des dortigen Parlaments. Das Verfassungsgericht kippte die Entscheidung 2018 wieder.

Ein bisschen Glück spielte mit hinein. Nach ihrem Studium zog es die heute 33-Jährige erneut nach Barcelona. Sie absolvierte dort ein Praktikum. „Die Firma, in der ich war, bot mir einen Stelle an, und ich entschied mich, zu bleiben“, sagt Schulze. In die alte Heimat zieht es sie noch ab und zu. Gerade ist sie mit dem Auto durch Deutschland unterwegs und wird einen Abstecher nach Brunsbüttel machen.

Vor etwa sieben Jahren begann Schulze, sich mehr damit zu beschäftigen, wie Fleisch und tierische Lebensmittelprodukte erzeugt werden. „Ich habe recherchiert und Dinge herausgefunden, die mir nicht bewusst waren.“ In Schritten wurde Schulze zur Veganerin, erst hörte sie auf, Fisch und Fleisch zu essen, später verzichtete sie ganz auf tierische Produkte. „Es kam mir falsch vor, dass ich meinen Hund liebe und dann eine Kuh esse.“

Seit fünf Jahren engagiert sich Christiane Schulze über die Tierschutzorganisation Peta gegen den Stierkampf. Jedes Jahr feiert Spanien ein zweifelhaftes Fest, das in seiner Tradition verankert ist. Die bekannteste Festlichkeit ist San Fermín in Pamplona. Eine Woche lang werden täglich Stiere durch die Gassen der Gemeinde getrieben, bis sie in der Stierkampfarena ankommen. Dort finden sie zumeist den Tod. 

Christiane Schulze hat früher Übertragungen im Fernsehen gesehen. Weil sie bei Peta für den Empfang von Newslettern registriert ist, erhielt sie eines Tages eine Mail von der Tierschutzorganisation, ob sie aktiv protestieren will. „Jetzt war ich zum fünften Mal in Pamplona.“ Sie war nicht alleine. Etwa 80 Menschen protestierten mit ihr, wobei nicht alle auf den Platz gingen, sich auszogen, um so auf die für sie wichtige Sache hinzuweisen. „60 von uns haben aktiv protestiert. Alle anderen haben bei der Logistik unterstützt.“ Gegner aus Italien, England, Dänemark und Österreich nahmen an der Aktion teil. „Sie ist bewusst international angelegt, weil das San-Fermín-Fest von den Touristen lebt. Ich wurde in den Jahren nie beschimpft oder angegriffen. Die Menschen applaudieren sogar.“

In Barcelona ist der Stierkampf seit 2010 untersagt. „Gerade dort lehnen viele Spanier den Stierkampf ab. Aber es ist nicht so, dass sie auf die Straßen gehen. Es sind Tierschützer und Organisationen, die protestieren.“ 

Die Brunsbüttelerin erhofft sich, dass durch die jährliche Peta-Aktion mehr Touristen auf die Zustände aufmerksam werden. Viele, so sagt Schulze, glaubten es sei eine Tradition, die man zwingend gesehen haben müsste. „Dass die Tiere ein zwei Tage in einen dunklen Raum gehalten werden, damit sie draußen die Sonne blendet, dass sie mit Elektroschocks rausgescheucht werden, um sie zu stressen, dass die Menschen sie in den Gassen an den Schwänzen ziehen, das wissen viele nicht.“

Einiges habe sich in Spanien bereits verändert. So gebe es ein Fest, bei dem ein Esel durch die Straßen gejagt und letztlich getötet wird. „Das Töten ist mittlerweile untersagt. Bei einem anderem Fest, bei dem eine Gans an den Füßen aufgehängt wird und ein Reiter ihr den Kopf abschlägt, wurde entschieden, dass die Gans nicht mehr lebend aufgehängt werden darf.“ Es seien zwar nur kleine Schritte, aber es würde sich immerhin etwas bewegen.