Tieskamp

Tieskamp ruft Grüne auf den Plan

Das Planungsverfahren für das Areal Tieskamp ist abgeschlossen. Nun muss der Bebauungsplan nur noch veröffentlicht werden, damit er gültig wird. Die politischen Schlachten im St. Micheler Sitzungssaal sind gerade beendet, da tritt ein neuer Akteur auf die Bühne: der Kreisverband der Grünen. 

Dass dieser Wald gerodet werden soll, passe nicht zum Koalitionsvertrag, der vor etwas mehr als zwei Jahren zwischen CDU, FDP und Grünen in Kiel geschlossen wurde, sagt Gerd Weichelt, stellvertretender Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Dort sei festgehalten, dass Wald zwölf Prozent der Fläche von Schleswig-Holstein ausmachen soll. Um das Ziel zu erreichen, müsse gar aufgeforstet werden. Es passe nicht zusammen, dass der Kreis derzeit Maßnahmen treffe, dass Landschaftsschutz nicht ausgehebelt werden könne und in St. Michaelisdonn ein Wald gefällt werden soll, sagt Susanne Hilbrecht. Sie sitzt für die Grünen im Kreistag. 

Der Kreisverband habe, so Hilbrecht, bereits seine Fühler nach Kiel ausgestreckt. Sie wollen erreichen, dass die Fällgenehmigung noch einmal überprüft werde. „Als ich das erste Mal vom Tieskamp hörte, habe ich gedacht, dass dort wenige Tannen mit ein bisschen Grün dazwischen stehen. Dem ist aber nicht so.“ In der vergangenen Woche waren Mitglieder der Grünen vor Ort und haben sich die ehemalige Tannenschonung angesehen. Sie waren durch ein Video, das in den sozialen Medien für Aufsehen sorgt und für den Erhalt wirbt, auf das Thema aufmerksam geworden.

Nun will die Partei helfen, den Wald zu erhalten. Das nächste Etappenziel sei, dass die gestartete Petition in die öffentlichen Anhörung komme, sagt Weichelt. Dafür werden 2000 Unterschriften gebraucht. Bisher unterstützen 731 Mitzeichner das Anliegen der Anwohner. Rund ein Drittel davon kommen aus St. Michaelisdonn.

Die ehemalige Tannenschonung auf dem Areal Tieskamp polarisiert die politischen Gremien von St. Michel und sorgt bei Anwohnern seit Langem für Unmut. Auf dem Areal zwischen Hoper Straße und Sandleiden sollen Einfamilien-, Doppel- und zwei Mietshäuser gebaut werden. Aber die Anwohner wollen, dass der Wald vor ihrer Haustür stehen bleibt. 

Mehr als 20 Jahre lang wurde das Gebiet in Ruhe gelassen: Der waldartige Charakter präge durch das fortgeschrittene Wachstum nunmehr das Gesamtbild, begründete die Landesumweltbehörde ihren Schritt, das 6000 Quadratmeter große Areal im März doch als Wald einzustufen. Anfang Juni wurde dennoch die Rodung der ehemaligen Tannenschonung genehmigt. Als Ausgleich sollen 1,2 Hektar Mischwald im Gudendorfer Forst gepflanzt werden – unter festgelegten Auflagen, die kontrolliert werden.