Heide

Totengedenken mit Polizeipräsenz

Auf dem Heider Marktplatz ist es zu einem auf sozialen Medien verabredeten Treffen gekommen. Die dort Versammelten gedachten zweier junger Männer, die bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Für einige Teilnehmer könnte die Gedenkveranstaltung von Dienstagabend auf dem Heider Marktplatz allerdings ein juristisches Nachspiel haben.

Grundlage liefern die jüngst erlassenen Allgemeinverfügungen des Kreises als Folge der Corona-Pandemie. Nach Polizei-Angaben hielten sich rund 80 Personen in der Marktmitte auf. Wegen der Gruppenbildung stellten die herbeigerufenen Beamten die Identität eines Teils von ihnen fest. „In 14 Fällen haben wir Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz ermittelt und Strafanzeigen aufgenommen“, erklärt Thomas Schulz, stellvertretender Leiter des Polizei-Reviers. „Dazu sind wir aufgrund der Rechtslage verpflichtet.“ Die Betroffenen seien weder Angehörige der Familien gewesen noch hielten sie sich an die behördlich vorgeschriebene Zwei-Meter-Abstandsregel. Ihnen drohen jetzt zumindest Geldbußen.

Die Corona-Krise verändert den Abschied von Verstorbenen: Nur noch die engsten Angehörigen sollen zu Trauerfeiern kommen, auf manchen Friedhöfen sind die Kapellen inzwischen komplett gesperrt. Nach der Beerdigung der beiden Männer im engsten Kreis kam im Anschluss eine größere Menschenmenge in der Innenstadt zusammen. Und das trotz Verbot des Kreises, die solche Ansammlungen wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos nicht erlaubt. Dies gilt auch für Totengedenken, zumal dann, wenn sie nicht im Vorfeld mit den Behörden abgestimmt worden sind. In einer Stellungnahme zeigt Landrat Stefan Mohrdieck „Verständnis für die Trauer und die Emotionen“. Er macht zugleich aber deutlich, „dass derartige Zusammenkünfte aktuell nicht stattfinden können, weil die die Gefahr der Ansteckung und einer breiten und unkontrollierten Streuung enorm groß ist“. Auch für Trauerfeiern und Bestattungen würden massive Einschränkungen gelten, „so schwer und schmerzlich das für alle Beteiligten auch ist“. 

Unter den Augen der Polizei, die mit mehreren Streifenbesatzungen zunächst in gebührendem Abstand das Geschehen beobachtete, fanden sich spontan Freunde und Bekannte der Verunglückten ein. Aber eben auch Fremde. Alle hatten sich über soziale Medien verabredet –eine außergewöhnliche Zusammenkunft in einer außergewöhnlichen Zeit. „Trauer braucht Raum und Platz und auch eine gewisse Öffentlichkeit“, sagte Andelo Milovanovic, Bruder eines der beiden tödlich Verunglückten, im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Auszubildende hatte das Gedenken mitorganisiert. „Wir wissen um die aktuellen Beschränkungen und haben deshalb sehr darauf geachtet, dass nicht mehr als zwei Personen beieinander standen.“