Heide

Toter Storch führt zu emotionaler Debatte im Kreistag

Heftiger Streit wegen eines toten Storchs: Ein im Juni unter einer Windkraftanlage bei Hennstedt gefundenes und zertrenntes Tier ließ jetzt Eike Ziehe (WND) und den leitenden Kreisverwaltungsdirektor Christian Rüsen aneinander geraten.

Die WND war sich schnell sicher

Ein Spaziergänger hatte vor drei Monaten unter einer Anlage im Windpark Eider den Torso eines Storches gefunden – der Kopf des Alttieres lag etwa 50 Meter entfernt. Für die Windkraftkritiker der WND stand schnell fest: Der Vogel wurde von einem Rotorblatt geköpft. Storchenvater Rolf Zietz sagte damals: „Das ist der erste Storch, der offiziell Opfer einer Windmühle wurde.“

Kurz nach dem Fund richtete die WND eine Anfrage an die Kreisverwaltung. Unter anderem wollte die mit zwei Sitzen im Kreistag vertretene Wählergemeinschaft wissen, warum die Windkraftanlagen nicht abgeschaltet wurden, als feststand, dass der in der Nähe befindliche Horst besetzt war. Der Tod sei „ein Armutszeugnis und ein Skandal für Dithmarschen, das hätte vermieden werden können und müssen“, heißt es in der Vorlage.

In ihrer Antwort teilte die Verwaltung mit, dass die erteilten Baugenehmigungen keine Auflagen zur Abschaltung zum Schutz des Weißstorchs enthalten. Die Windkraftanlagen hätten Bestandsschutz. Als sie genehmigt wurden, seien die heute geltenden Abstandsregelungen noch nicht in Kraft gewesen.

Auf die Zinne brachte Eike Ziehe jedoch folgender Satz: „Der genaue Fundort ist der Unteren Naturschutzbehörde bis heute nicht bekannt; der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises sind keine näheren Informationen übermittelt worden.“ Dass der Kreis für weitere Informationen weder an sie persönlich noch an den Storchenbetreuer herangetreten sei, „das wundert mich doch stark“, sagte Eike Ziehe leicht aufgebracht im Agrar- und Umweltausschuss und wollte wissen: „Interessiert es den Kreis nicht, wo der Storch gefunden wurde?“ Das passte für die WND-Abgeordnete ins Bild, denn „laut Kreis war es ja keine Windkraftanlage“, so Ziehe.

Emotionale Debatte

Diese Aussage wiederum wollte Christian Rüsen nicht auf sich sitzenlassen und ließ sich die vermeintliche Stelle aus der Antwort auf die WND-Anfrage zitieren. Wörtlich heißt es dort: „Ob der Tod des Storchs auf einen Kontakt mit der Windkraftanlage zurückzuführen ist, ist bisher nicht nachgewiesen oder belegt worden.“ Eine Festlegung wird somit vermieden, und Rüsen wurde sauer. „Bleiben Sie korrekt, wenn Sie etwas sagen, sonst werde ich richtig böse“, antwortete er Eike Ziehe. So emotional hatte man ihn bislang noch nicht im Kreistag oder einem Ausschuss erlebt.

Der Ausschussvorsitzende Thorsten Hübner (UWD) beendete dann die Diskussion und sagte: „Ein toter Storch ist traurig, aber es gibt auch wichtigere Sachen.“ Um das Tier tue es ihm leid, „aber man muss die Verhältnismäßigkeit wahren“.