— Dithmarschen—

Trotz Ferien in der Schule

von Stefan Carl Donnerstag, 1. August 2013 13:06 Uhr


 

Heide (ca) Während die meisten ihrer Schulfreunde die letzte Sommerferienwoche genießen, drücken 115 Schüler verschiedener Gymnasien in Heide die Schulbank. In der ersten Sommerschule des Werner-Heisenberg-Gymnasiums lernen sie Englisch.

Es ist ungewöhnlich, dass sich außer Hausmeistern und Handwerkern jemand während der Ferien – für Lehrer: während der unterrichtsfreien Zeit – in der Schule aufhält. Doch diejenigen, die sich an der Summerschool, der Sommerschule, des WHG beteiligen, finden daran großen Gefallen.

English in Action nennt sich die Organisation, die es ermöglicht, dass Schüler mit Nachholbedarf oder besonderem Ehrgeiz eine Woche lang in den Genuss kommen, von englischen Muttersprachlern unterrichtet zu werden.

Der Clou daran: Die zehn aus Großbritannien eingeflogenen Lehrer verstehen kein Deutsch. So muss nicht nur der Unterrichtsstoff auf Englisch erfasst werden, auch Nachfragen auf Deutsch sind nicht möglich. Rutscht doch einmal ein deutsches Wort heraus, vergibt der aus dem walisischen Swansea stammende Stephen Tindal „german points“ – sie werden unter einem traurigen Gesicht vermerkt, dass er an die Tafel gezeichnet hat. Nach drei Tagen finden sich dort drei Striche. Auf der anderen Tafelseite sind es dagegen 16 Striche – unter dem Smiley für „english points“. Sie vergibt Tindal für besonders gute Beiträge.

WHG-Lehrerin Stephanie Schiller hat die Sommerschule organisiert; ihres Wissens ist es die einzige kreisweit. Das erklärt, warum sich Schüler anderer Gymnasien dafür angemeldet haben. Die 115 Kinder und Jugendlichen kommen aus allen Jahrgängen. „Wir haben neun Gruppen mit maximal 15 Schülern gebildet“, sagt Schiller. Die Aufgabe der Vorsitzenden der WHG-Englisch-Fachschaft war es, das Programm vorzustellen, zu koordinieren, das Geld einzusammeln und für die Unterbringung der britischen Kollegen zu sorgen. „Das geht alles nur, wenn die Kollegen mitziehen“, sagt Schiller. Zu diesen gehören beispielsweise Martin Stark und Philipp Petersen. Wie Schiller haben die beiden Englischlehrer den Eindruck, dass die Schüler lebhaft mitmachen und der verlorenen Müßiggang-Woche nicht nachtrauern. „Die Schüler haben Spaß und freuen sich über die coolen britischen Lehrer“, hat Petersen in Pausengesprächen festgestellt. „Und es geht nicht um Noten“, fügt Stark hinzu – zumindest nicht direkt. Denn indirekt dürfte es das Ziel aller Sommerschüler sein, ihre Englischnote zu halten oder zu verbessern.

Stephen Tindals unterrichtet in seiner Gruppe zwölf Schüler. Für sie bricht in der kommenden Woche das Abiturjahr an. Auf dem Tagesplan stehen Relativsätze. Doch weil der Unterricht eben ausschließlich auf Englisch läuft, lernen die Schüler nebenbei eine Menge neuer Vokabeln, deren Bedeutung sie sich über den Kontext und mithilfe ihnen bekannter Wörter erschließen. „Ich will mein gesprochenes Englisch verbessern“, sagt ein Schüler. Einem anderen geht es um Grammatik und korrekte Schreibweise. Und dafür sei der englischsprachige Unterricht in der kleinen Gruppe wie geschaffen. Eine Schülerin bestätigt: „Ich habe mich bisher nicht so getraut, Englisch zu sprechen. Durch die Sommerschule ist mein Selbstvertrauen gewachsen.“ Eine andere sagt trotz der sechs Schulstunden täglich: „Es ist entspannt und fühlt sich nicht wie Schule an.“ Alle sind sich darin einig, dass das eine empfehlenswerte Sache ist.

Lehrer Stephen Tindal ist mit seiner Gruppe zufrieden: „Sie sind enthusiastisch dabei.“ Für ihn sei es das erste Mal, dass er für English in Action gearbeitet habe. „Aber es wird nicht das letzte Mal sein. Die Organisation ist sehr professionell. Außerdem liebe ich es, anderssprachigen Schülern Englisch beizubringen.“ – Auch das dürfte ein Grund sein, warum die Sommerschule so gut ankommt und deshalb wiederholt werden soll.





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