— St. Michaelisdonn —

Trotz Vandalismus: Mühlenverein rüstet sich für Besucheransturm

von Wiebke Reißig Mittwoch, 16. Mai 2018 19:06 Uhr


St. Michaelisdonn -

Der Rasen auf dem Mühlenhügel und dem großen Vorplatz ist bereits schier gemäht. Doch vorher musste Holger Jürgens wieder kinderfaustgroße Steine aus dem Gras sammeln. Zum Glück ist diesmal keine Scheibe zu Bruch gegangen.

Aktuell passiert es häufig

Seit etwa fünf Jahren geht das so. „Ich habe immer mal Steine gefunden, und es ist auch mal was kaputt gegangen. Aber in letzter Zeit ist es auffallend häufig“, so Jürgens. Etliche zersprungene Scheiben der schmucken kleinen Sprossenfenster musste der Vorsitzende des Donner Mühlenvereins inzwischen reparieren lassen. Sie wurden jeweils durch Kunststoffscheiben ersetzt. Zahlreiche kleine Dellen im Holz – offenbar von auftreffenden, geworfenen Steinen – wurden übergemalt. 

Die Schäden und die Steine sind nur an einer Seite der Hopener Mühle zu finden. Jürgens vermutet daher, dass die Steine von dem an der Mühle vorbeiführenden Feldweg aus geworfen werden – anscheinend mit dem Ziel, die Fensterscheiben zu treffen. Um die Fenster herum, meist daneben und darunter, sind die meisten Einschlagdellen zu sehen. Die Steine könnten direkt von dem Feldweg aufgesammelt werden. Dazu muss der oder müssen die Werfer zwar kräftig Schwung holen, aber der Vorsitzende hat noch nicht bemerkt, dass der Zaun rund um die Mühle überklettert wird.

Die Menge der Steine, die Jürgens in einer Woche auf dem grasbewachsenen Erdhügel findet – übersteigt das, was zwei Männerhände fassen können. Er überlegt daher jetzt, Anzeige zu erstatten, nachdem seine abendlichen Kontrollgänge bislang keinen Erfolg gezeigt haben.

Er und die übrigen fleißigen Helfer des Mühlenvereins halten die „Edda“, die als „Perle der Schleswig-Holsteinischen Mühlen“ gilt, das ganze Jahr über in Schuss. So können Besucher das Prachtstück nach Anmeldung bei ihm oder im Touristbüro auch außerhalb öffentlicher Besuchstage wie dem Mühlentag ansehen und sich die Funktionsweise und spannende Geschichte von Jürgens erzählen lassen.

Sein Vater war der letzte Müller 

Er selbst hat schon als Kind zusammen mit Cousins und Freunden jeden Winkel dort erkundet zwischen den mächtigen Mahlwerken im Mittelgeschoss, den gewaltigen Holz-Zahnrädern im Obergeschoss und den Schächten, durch die das gemahlene Korn ins Kellergeschoss rauschte. Ein unerschöpflicher Abenteuerspielplatz, in dem Räder und Balken unermüdlich knarrten, während die Flügel sich drehten und den Betrieb am Laufen hielten. Das war bis etwa Mitte der 1960er-Jahre der Fall. Auf dem zugehörigen Hof lebten Onkel und Tante. Sein Vetter war der letzte Müller dieser Mühle. 

Holger Jürgens‘ Vater initiierte 1996 den gemeinnützigen Mühlenverein, der den so genannten Erd-Holländer in den folgenden drei Jahren von Grund auf und originalgetreu renovierte – schließlich steht diese Mühle schon seit 1948 unter Denkmalschutz und zudem im Landschaftsschutzgebiet mit hübschem Ausblick. Auch wenn sich die schweren Flügel an öffentlichen Besuchstagen aus Sicherheitsgründen nicht mehr drehen, da sie dicht an dem Erdhügel entlang kreisen, sind auch die Kinder heutzutage noch „total begeistert“ und fasziniert, wenn Holger Jürgens über den Mühlsteinboden und durch das Kellergeschoss führt. Dabei stellen die Kinder oft fast ebenso viele Fragen wie die Erwachsenen.   

Am Mühlentag, Pfingstmontag, 21. Mai, erwartet der Mühlenverein Hunderte von Besuchern. Diese können es sich auch im großen Veranstaltungszelt auf dem Vorplatz bei Kaffee, Kuchen und Torten, Bier, Bratwurst und alkoholfreien Kaltgetränken gemütlich machen. Zwischen 11 und 17 Uhr führt Holger Jürgens alle Interessierten stündlich durch die Mühle.





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