Brunsbüttel

Tut nicht weh und rettet Leben

Für die Veranstalter ein Erfolg ab der ersten Minute: Innerhalb einer Stunde registrierten sich bereits rund 100 Menschen bei der Typisierungsaktion am Sonnabend im Elbeforum. Hunderte sollten noch folgen.

Sieben Jahre nach ihrer ersten Typisierungsaktion veranstalteten die Macher der Wattolümpiade erneut eine große Suche nach potenziellen Stammzellenspendern. Die mehr als 80 ehrenamtlichen Helfer hatten viel zu tun. Die Besucher machten vor Ort mithilfe von Wattestäbchen einen Abstrich an ihren Wangenschleimhäuten. Dieser wenige Minuten andauernde und schmerzlose Prozess könnte vielleicht jemanden das Leben retten, der an Blutkrebs erkrankt ist. Denn die Daten landen in der zentralen Datenbank der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Doch das war nicht alles, was die Gäste im Elbeforum erwartete: ein großes Rahmenprogramm mit einem bewussten Festivalcharakter nämlich. Neben 13 Ausstellern rund um das Thema Gesundheit – darunter Selbsthilfegruppen, Krankenkassen sowie die Krebsgesellschaft – organisierten die Veranstalter musikalische Begleitung in Form von vier Liedermachern, die den Tag über für ein kleines bisschen Wattstock-Atmosphäre sorgten.

„Es sind ja bereits sehr viele Menschen hier aus der Umgebung registriert, dennoch wollten wir auch denen, die aus Interesse herkommen, etwas bieten“, sagte Dirk Passarge, Vorsitzender des Wattolümpiade-Vereins. Eine Registrierung bei der DKMS kostet laut Passarge 35 Euro. Doch zahlen musste keiner der potenziellen Spender. Finanziert wurde das Ganze vor allem durch das Benefizkonzert der Band Fury in the Slaughterhouse, bei dem im vergangenen Herbst mehr als 20 000 Euro zusammengekommen waren. Aber auch viele weitere Spender unterstützten die Aktion. Am Ende standen 468 Neuregistrierungen auf dem Zettel – womit die Marke von 2012 sogar getoppt werden konnte.

Unter den zahlreichen potenziellen Stammzellspendern befand sich auch die Fußballmannschaft vom Diekhusen- Fahrstedter FC. Trainer Andre Nerke brachte seine Spieler dazu, bei der Aktion teilzunehmen: „Ich selbst habe mich vor Jahren typisieren lassen. Ich schlug es den Jungs vor, und alle waren begeistert.“ Rund 20 von ihnen ließen sich registrieren. Direkt danach ging es für die B- und C-Jugend weiter zu ihren Spielen. „Es ist eine gute Sache und es lässt sich schnell und problemlos machen. Daher konnten wir auch vor unseren beiden Fußballspielen herkommen“, sagte Nerke.

Allein 84 Registrierung steuerten Mitarbeiter und Angehörige des Kernkraftwerks Brunsbüttel bei, das zu einer konzertieren Aktion aufgerufen hatte. Über den Tag verteilt kamen ganze Familien, Paare und Freunde zu der Spendenaktion. Die meisten von ihnen, weil sie einfach etwas Gutes tun wollten und weil sie vielleicht selbst einmal in die Situation kommen könnten, bei der sie Hilfe benötigen. Doch einige von ihnen hatten auch bereits persönliche Erfahrungen mit der gefährlichen Krankheit gemacht. „Im vergangenem Jahr sind vier meiner Arbeitskollegen an Krebs erkrankt. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und mich dazu motiviert, hier heute herzukommen“, sagte Alicja Jahz, die sich gemeinsam mit einer Freundin registrieren ließ.

Die zweite Typisierungsaktion der Olümpiamacher wurde seit vergangenem Herbst geplant. Grund für die siebenjährige Pause sei vor allem der große Zulauf bei der ersten Veranstaltung gewesen. „Damals hatten sich bereits 400 Menschen typisieren lassen. Wir wollten uns etwas Zeit lassen, denn nun können sich zum Beispiel auch viele Jugendliche registrieren, die damals vielleicht noch zu jung waren“, sagte Passarge. Angedacht sei, auch bei der nächsten Wattolümpiade im August 2020 die Möglichkeit zur Typisierung zu schaffen. Schließlich steige mit jedem einzelnen potenziellen Spender die Chance, Leben zu retten.