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Blockade vor dem Yara-Werk dauert an

Seit Montagmittag blockieren mehrere Hundert Umweltaktivisten die Zufahrten des Yara-Werks. Der Protest, der zunächst nur bis 18 Uhr von den Ordnungsbehörden genehmigt wurde, dauert zur Stunde an. Die Aktivisten kündigten an, die Nacht durchmachen zu wollen. 

Nachdem das Klimacamp vor den Toren St. Margarethens am Wochenende aus polizeilicher Sicht ruhig und ohne besondere Vorkommnisse verlaufen war, gab es am Montagmorgen erste Zwischenfälle. So stellte die Bundespolizei frühmorgens zwei Eingriffe in den Bahnverkehr zwischen Wilster und Brunsbüttel fest. „An dem Gleiskörper wurden Schrauben gelöst und das Schotterbrett in Teilen entfernt“, so ein Sprecher. Die Bundespolizei habe in diesem Bereich einen Tatverdächtigen vorläufig festgenommen. Wie die Polizei am Nachmittag mitteilte, habe allerdings eine Überprüfung bei Tageslicht ergeben, dass es sich bei den Manipulationen am Gleis um sogenannte "Altfälle" gehandelt hat. Die Sperrung für den Güterbahnverkehr wurde aufgehoben, die vorläufig festgenommene Person nach Absprache mit der Staatsanwaltschaft Itzehoe entlassen.

Gegen 4.30 Uhr wurden zwei Fahrzeuge im Bereich Wilster kontrolliert. In den Fahrzeugen befanden sich zwölf Personen, deren Gesichter geschwärzt waren, so die Polizei. Den Informationen zufolge trugen sie Stirnbandlampen, ein Teil hatte die Fingerkuppen dem Vernehmen nach mit Nagellack bestrichen, um die Identitätsfeststellung zu erschweren. „Aus Gründen der Gefahrenabwehr sind sie in Gewahrsam genommen worden.“ Drei weitere Personen hielten sich im Nahbereich des Gleises bei Wilster auf und wurden ebenfalls in Gewahrsam genommen. Sie alle wurden im Laufe des Vormittags entlassen.

Gegen Mittag erreichten die Aktivisten, die sich vom Camp in St. Margarethen zu Fuß auf den Weg gemacht haben, das von der Polizei abgeriegelte Yara-Werk. Die Lage ist momentan entspannt.

Die Polizei bittet darum, den Bereich Holstendamm weiträumig zu umfahren. Rund 500 Beamte sind um Einsatz, um den friedlichen Verlauf und das Recht auf Versammlungsfreiheit genauso wie die Sicherheit zu gewährleisten. Mögliche Angriffe auf das Yara-Werk sollen so verhindert werden.

Mit ihrer Aktion vor dem Werk des Düngemittelherstellers wollen die Aktivisten für eine Agrarwende demonstrieren: „Uns ist wichtig, dass die Verbindung zwischen industrieller Landwirtschaft und dem Klimachaos gesehen wird“, sagte eine Sprecherin der Organisation Free the Soil (etwa: Befreien wir die Böden). Die Aktivisten sehen die Agrarindustrie als einen der größten Zerstörer des Klimas. Die Düngemittelfabrik in Brunsbüttel gehört zum norwegischen Yara-Konzern und ist eine der größten Stickstoff-Kunstdüngemittelfabriken in Europa.

Yara selbst schreibt auf seinen Internetseiten, „unsere Umwelt- und Industrielösungen tragen zur Verbesserung der Luftqualität und zur Reduzierung von Emissionen bei“.

Die Aktivisten sprechen von rund 500 Teilnehmern. Die Polizei geht von etwa 350 im Bereich des Holstendamms aus. 

Video: Becke