Heide

Verlorenes und Gepfändetes im Angebot

Einmal im Jahr versteigert die Stadt, was sich an Fundsachen angesammelt hat. Diesmal sind auch Werkzeuge aus einer Sachpfändung dabei. Sie an den Mann zu bringen, erweist sich allerdings als schwierig. 

An Dieter Hinz liegt es nicht, dass die meisten Besucher die angebotenen Exponate skeptisch mustern. Der Kassenleiter der Stadt ist für ein paar Stunden in die Rolle eines Auktionators geschlüpft und versucht originell, den Besuchern der jährlichen Fundsachen-Versteigerung Gebote zu entlocken.  

Fundsachen, hauptsächlich Vergessenes und Verlorenes aus der Wasserwelt, sowie Handwerksgeräte aus einer Sachpfändung sind in einem Bereich des Baubetriebshofes aufgereiht. Dieter Hinz packt verschiedene Fundstücke zusammen. „Eine Sporttasche mit ein paar Kindersachen, Mützen, einem Schwimmanzug und einer Schwimmbrille – bietet jemand fünf Euro?“ Thorge Grimm muss nicht lange überlegen: „Nehme ich!“ Höhere Gebote gibt es nicht, die gefüllte Tasche und ein Geldschein wandern über den behelfsmäßigen Verkaufstisch.

Zum zweiten Mal hat Grimm eine Fundsachenversteigerung besucht. „Aus Spaß und Neugier“, sagt der Hemmingstedter. Eine bestimmte Kaufabsicht hatte ihn nicht zum Baubetriebshof geführt. „Die Tasche hat mich interessiert“, begründet Grimm seinen spontanen Kauf. 

Eine alte Kamera aus der Zeit vor der digitalen Fotografie bekommt für fünf Euro eine neue Besitzerin. Zwei Paar Schwimmflossen bietet Hinz für vier Euro an. „Ich nehme sie für zwei“, sagt ein Bieter. „Sonst keiner? Gut, dann sind sie hiermit verkauft“, stellt Hinz fest. Schließlich bleibt ein Haufen Schwimmbrillen zurück. „Alle für zwei Euro?“, fragt ein Interessent. Hinz ist es recht: „Bevor ich sie wegwerfe...“

Deutlich zurückhaltender sind die Bieter bei den Handwerksgeräten. Das mag daran liegen, dass Hinz preislich die Hände gebunden sind, wie er gleich zu Beginn klarstellt. „Dieses Fliesenschneidegerät muss 150 Euro bringen. Im Internet kostet das mindestens 370“, sagt der Auktionator dieses Tages. „Weiter runter kann ich nicht gehen. Schließlich soll der Gläubiger zu seinem Geld kommen.“ 

Aber bei den meisten Geräten bleiben die Hände unten. Nur ein Akkuschrauber bringt einen höheren Ertrag als das Mindestgebot. Mit Humor kommentiert ein Besucher der Versteigerung die 150 Euro, die eine Kettensäge bringen soll: „Für fünf Euro wär das in Ordnung.“ Dabei versucht Hinz alles. „Alle Geräte sind getestet worden und alle funktionieren bis auf einen Nagler“, sagt der Kassenleiter. 

Doch auch für das teuerste Stück, eine Tisch- und Kappsäge, findet sich kein Bieter, der 500 Euro investieren will. „Im Internet zahlt ihr das Dreifache. Ein bisschen recherchiert haben wir schließlich vorher“, wirbt Hinz vergebens. Am Ende ist er trotzdem zufrieden. „Heute war die Beteiligung größer als in den Jahren davor“, sagt er. Die nicht verkauften Werkzeuge würden auf zoll.de angeboten. „Wenn wir sie da nicht loswerden, versuchen wir es nochmal mit freiem Verkauf.“