— Brunsbüttel —

VIDEO: Stichwahl-Sieger Schmedtje zieht am 1. Oktober ins Brunsbütteler Rathaus ein

von Michaela Reh, Michael Behrendt Sonntag, 24. Juni 2018 23:25 Uhr


Brunsbüttel -

Spannender als das Fußballspiel Deutschland gegen Schweden: die Stichwahl um das Bürgermeisteramt, die Martin Schmedtje (parteilos) am Sonntagabend gewonnen hat.

Finale. Die Ruhe vor dem Sturm. Im Bürgersaal warten alle gespannt auf das erste Ergebnis aus einem der sieben Wahllokale. Die Gespräche sind verstummt. 18.13 Uhr plötzlich lauter Jubel: Martin Schmedtje hat auf der Südseite die Nase vorn. Und zwar gehörig: 65 Prozentpunkte für den Verwaltungsfachmann aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde.

Wieder sind es zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die die Ergebnisse der Wahl aus erster Hand erfahren wollen und deshalb zur öffentlichen Präsentation ins Elbeforum gekommen sind. Mitten unter ihnen ein sichtlich angespannter Martin Schmedtje, der neben seiner Lebensgefährtin und seiner Tochter auch seinen Bruder mitgebracht hat. Nicht zu entdecken dagegen sein Kontrahent, Buchhändler Dietrich Wienecke.

Schockstarre weicht großem Jubel

Bis das nächste Ergebnis eintrudelt, verstreicht einige Zeit. Um 18.29 Uhr liegen endlich die nächsten Zahlen vor – aus dem Feuerwehrgerätehaus in Brunsbüttel-Ort. Der Jubel ist dieses Mal etwas verhalten: Dietrich Wienecke hat immerhin 49,3 Prozentpunkte erzielt. Jetzt geht es Schlag auf Schlag mit den Ergebnissen. Als zwischenzeitlich Wienecke Schmedtje sogar überholt, herrscht eisiges Schweigen im Bürgersaal. Die Stimmung könnte kaum frostiger sein. Doch die Schockstarre dauert nicht lange, schnell hat der Verwaltungsmann die Oberhand zurückgewonnen.

Martin Schmedtje selbst will sich nicht zu früh freuen. Er verfolgt die Ergebnisse mit undurchdringlicher Miene. Erst als am Ende unumstößlich feststeht, dass er die Wahl gewonnen hat, drückt er seiner Lebensgefährtin einen dicken Kuss auf die Wange und drückt seine Tochter Rika an sich. Die Stimmung im Saal ist fast euphorisch. Schmedtje muss jetzt jede Menge Hände schütteln. Alle wollen dem neuen Verwaltungschef zu seinem Sieg gratulieren. 

Ex-Bürgermeister Stefan Mohrdieck nimmt ihn sogar brüderlich in den Arm. Der Landrat freut sich, dass sein Favorit das Rennen gemacht hat. „Ich hoffe, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt“, sagt Mohrdieck. In sein altes Rathaus. In Brunsbüttel. Vor allem zum Schluss waren die Kommentare zu den Kandidaten in den sozialen Netzwerken zur Schlammschlacht ausgeufert. „Nicht schön, was da gelaufen ist“, sagt Karin Süfke (SPD).

Wahlsieger Schmedtje im Interview

Martin Schmedtje freut sich über seinen Sieg, das ist ihm anzusehen. „Jetzt ist es mein oberstes Ziel, Bürgermeister wirklich aller Bürger in Brunsbüttel zu werden – auch derjenigen, die mich nicht gewählt haben.“ Dabei versichert er: „Natürlich hat auch ein Martin Schmedtje Ideen und Visionen für seine Stadt.“ Am 1. Oktober tritt er seinen Dienst an.

Verlierer Dietrich Wienecke ist inzwischen eingetroffen. Er gratuliert dem Sieger. Etwas später merkt er an: „Es war mir eine Ehre, für das Amt des Bürgermeisters kandidieren zu dürfen, und ich bin stolz, gegen die geballte Macht von CDU, SPD, FDP und am Ende auch noch gegen den Landrat ein so gutes Ergebnis erzielt zu haben.“

Kommentar

Knapper Sieg mit Botschaft

Von Michaela Reh

Dass Martin Schmedtje die Stichwahl um das Bürgermeisteramt gewonnen hat, ist keine Überraschung. Zum einen haben ihm die drei großen Brunsbütteler Parteien CDU, SPD und FDP den Rücken gestärkt. Zum anderen wird seine fachliche Kompetenz die Wähler überzeugt haben.

Überraschend ist ein ganz anderer Umstand – das relativ knappe Ergebnis dieser Stichwahl. Wieder war es, wie im ersten Durchgang, ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das eines deutlich gemacht hat: Dietrich Wieneckes kreative Ideen und Visionen für die Schleusenstadt, die seine Kritiker als nicht realisierbar abtun, haben die Brunsbütteler nicht kalt gelassen. Diesen Wunsch nach Veränderungen sollte Martin Schmedtje als neuer Bürgermeister aufgreifen.





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