Heide

Warum ist es in der Heider Innenstadt häufig so schmutzig?

In der Innenstadt sollen sich Urlauber und Einheimische gerne aufhalten. Sie ist die Visitenkarte eines Ortes. Zum Wohlfühl-Charakter gehört ein sauberes Erscheinungsbild. Doch daran hapert es häufig in Heide.

Wer zum Beispiel an einem Sonntag über den Südermarkt bummelt, dem bietet sich rundherum ein trauriges Bild. Weggeworfene Plastikverpackungen und Papiertüten liegen zusammen mit leerer Trinkbechern an verschiedenen Stellen herum. Aus dem Schlitz eines Mülleimers ragt eine Pappschachtel, und davor befinden sich die schmutzigen Behältnisse von Mitnehm-Kaffee. Viele Heider werden sich über den Anblick ärgern, viele Touristen dürften sich erschrocken abwenden.

Mit etwas Verantwortungsbewusstsein der Passanten müsste es so allerdings nicht aussehen. Immerhin befinden sich im innerstädtischen Bereich 121 Mülleimer, die entweder täglich oder dreimal wöchentlich geleert werden. Die Reinigung der Innenstadt liegt jedoch nicht in den Händen des Bauhofes, sondern ist an eine externe Firma vergeben worden. Das ist beim Bahnhofs-Umfeld ebenso der Fall.

Holger Friedrichs, Leiter des Fachdienstes Tiefbau im Rathaus, sowie sein Kollege Olaf Oertel haben einen großen Stadtplan mit orange markierte Flächen. Farbig erscheinen die West-, Süd- und Ostseite des Marktplatzes einschließlich der Marktdiagonalen, die Friedrich-, Süder- und Himmelreichstraße sowie der östliche Teil der Großen Westerstraße. In diesen Bereichen ist die Kehrmaschine bis zu viermal pro Woche im Einsatz. „Das Problem sind Zigarettenstummel und Kaugummis“, sagt Holger Friedrichs. Der Grund: Die Kippen verschwinden in den Fugen des Belags, und die Kaugummis kleben daran fest – ohne dass die Maschine den Dreck aufnehmen kann.

„Die Stadtreinigung kann nicht überall sein“, sagt Thomas Palm. Der Linken-Kreisvorsitzende wohnt in Heide und hat gemeinsam mit einigen Parteimitgliedern eine private Reinigungsaktion ins Leben gerufen. Seit Januar sind die Teilnehmer – meist vier bis acht Leute – einmal im Monat sonntags unterwegs, um die Stadt ein bisschen sauberer zu machen. Im Januar war die Gruppe im Stadtpark auf Mülltour, im Februar in der Neuen Anlage und in der Fußgängerzone, im März im Park am Wasserturm und in der Gehstraße, im April auf den Kinderspielplätzen im Norden der Stadt, im Mai auf denen im Süden und im Juni rund um den Marktplatz.

Christel und Manfred Will haben ebenfalls zur Selbsthilfe gegriffen und kümmern sich unter anderem darum, dass der Brunnen am Südermarkt nicht verdreckt. Von Erdbeeren über angebissene Brötchen bis hin zu Verpackungen jeglicher Art haben die Eheleute schon viel Unrat aus dem Wasser gefischt. „Da kann die Reinigung gar nicht gegen an“, sagt Manfred Will. Der SPD-Ratsherr sieht die gedankenlose Müllentsorgung als „Spiegelbild unserer Gesellschaft“ mit zunehmender Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Gemeinwesen. In Naugard, der polnischen Partnerstadt von Heide, „sieht man das nicht“, sagt Will. Er sorgt sich um den Fremdenverkehr und sagt: „Urlaubern kann man eine so dreckige Stadt nicht bieten.“