St. Michaelisdonn

Wieder tote Schafe: Wolfsangriffe setzen Schäfer weiter zu

Der Wolf hat wieder zugeschlagen. Dieses Mal auf einer Wiese neben dem Flugplatz, keine 600 Meter Luftlinie vom letzten Angriff am Montag entfernt. 

„Ich kann das nicht mehr sehen. Ich bin am Ende“, sagt Schäfer Knut Jäger und blickt auf die zwei verwundeten Schafe und dreht sich wieder um. In der Nacht zum Mittwoch wurden 103 Schafe, die auf einer Weide zwischen dem Flugplatz in Hopen und einem größeren landwirtschaftlichen Betrieb standen, attackiert. Ein Tier wurde getötet, zwei so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden müssen. Jäger hat seit Beginn der Rissserie Ende November 16 Schafe verloren.

Inzwischen schließen die Rissgutachter nicht mehr aus, dass es  mehrere Wölfe im Amtsbereich geben könnte, so Marcell Kaminsky von der Bürgerinitiative Wolfsfreie Dörfer Dithmarschen, der ebenfalls wieder vor Ort war. „Diese Deutung lässt die Spurenlage auf der Wiese zu.“ 

Laut Informationen unserer Zeitung wurden große und daneben kleine Fährten gefunden. Über den Knick zur Wiese waren es Trittabdrücke eines ausgewachsenen und eines jungen Tieres, von der Wiese zum Feld zurück wurden Spuren eines zweiten Jungtieres entdeckt.

Es ist das zweite Mal in dieser Woche, dass eine seiner Herden vom Wolf angegriffen wurde. In der Nacht zum Montag wurden 52 Schafe so sehr getrieben, dass sie ausbrachen. Die entlaufenen Tiere hatten Auswirkungen auf den Zugverkehr der Marschbahn. Für rund eineinhalb Stunden mussten die Züge auf Sicht fahren. 

Wenn Knut Jäger morgens zu den Wiesen und Feldern fährt, auf denen seine 900 Tiere auf der Geest stehen, nimmt er inzwischen immer seinen Anhänger mit. Darin transportiert er ein Quad, um im Ernstfall die Schafe suchen zu können. Und mit ihm bringt er die toten Tiere auf seinen Hof. Das Leben richte sich nach dem Wolf. Eine vernünftige Planung sei nicht mehr möglich. „Worte helfen nicht mehr“, sagt Jäger in Richtung Landespolitik. Er fordert, dass sich endlich etwas bewegt und die Schäfer Unterstützung bekommen. 

Es ist ein Desaster. Um alle Herden wolfsabweisend einzuzäunen, fehlt den Schäfer die Zeit und auch das Geld, das sie für mehr Personal aufwenden müssten, sagen sie. Ohne diese Zäune bleiben sie im Zweifelsfall auf ihrem Schaden sitzen und erhalten keine Entschädigung vom Land, weil Dithmarschen Präventionsgebiet ist. 

In Kiel ist das Problem der Schäfer bekannt. Während die Kosten für die Zäune nach Beantragung übernommen werden, sei es bisher rechtlich nicht möglich, den Arbeitsaufwand, den die Schäfer haben, zu entschädigen. Eine Grundlage dafür müsse erst geschaffen werden. Derzeit führe das Land Gespräche mit der Europäischen Union und dem Bund, um eine Lösung zu finden, hieß es aus dem Umweltministerium kürzlich.

Letztlich deckten die Entschädigungen, die die Schäfer bekommen nicht den tatsächlichen Schaden ab, sagt St. Michels Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Volker Nielsen (CDU). „Mit dem rechtlichen Rahmen sind wir in eine Sackgasse geraten.“ 

Das Zaunprogramm und die Ausgleichszahlungen seien keine echte Lösung, vor allem im Hinblick, dass die Schäfer permanent in Sorge leben müssten. „Das ist auf Dauer nicht auszuhalten. Die Schäfer gehen psychisch kaputt“, sagt Nielsen und fordert, dass auch über den strengen Schutz des Wolfes gesprochen werden muss.