— Dithmarschen—

Wo Deutsch zur Ausnahme wird

von Dieter Höfer Freitag, 6. September 2013 12:55 Uhr


 

Heide (dh) Gar nicht so einfach für einen Erstklässler, wenn der – Lehrer einfach sagt: „Colour your picture, please“ – und nichts auf Deutsch erklärt. Doch nachdem Volker Franzen ein paar erklärende Gesten nachgeschoben hat, kommt das Aha-Erlebnis: Na klar, das Bild anmalen. So wie gestern wird es den Jungen und Mädchen in der Bili-Klasse der Klaus-Groth-Schule noch häufig gehen. Bili ist das Kürzel für bilingualen Unterricht. Das bedeutet: Es wird mit Ausnahme des Faches Deutsch ausschließlich Englisch gesprochen. Das Konzept wird dort bereits seit zehn Jahren in den Bili-Klassen praktiziert. Seitdem gibt es, von kleinen Schwankungen abgesehen, eine stetige Nachfrage. „In der jetzigen Anfängerklasse haben wir 27 Kinder“, sagt Lehrerin Karin Machau-Gerchen, die das Projekt gemeinsam mit Volker Franzen von Anfang an betreut. Insgesamt sieben Kollegen der Klaus-Groth-Schule unterrichten in den Bili-Klassen. Entweder sind es ausgebildete Englisch-Lehrer oder sie haben lange im Ausland gelebt. Immerhin müssen Mathematik, Heimat- und Sachunterricht, Kunst, Sport sowie Religion auf Englisch erteilt werden. Und da sollten nicht nur die englischen Wörter für die Seevögel der Westküste, Wetterphänomene oder die Ausrüstung der Feuerwehr sitzen, „auch jede Unterrichtssituation muss gemeistert werden“, sagt sie.

Der Einstieg in Religion geschieht zum Beispiel über Sätze wie „God made the sun and the light“, erzählt Karin Machau-Gerchen. Dazu werden die entsprechenden Bilder gezeigt. Das Lernen erfolgt über viele Wiederholungen. „Später reden die Kinder ganz selbstverständlich auf Englisch.“ Das helfe ihnen auf der weiterführenden Schule.

Die Idee zum bilingualen Unterricht entstand seinerzeit im Kindergarten Morgenstern an der Nordstrander Straße. Der Leiter hatte ein Seminar über frühes Fremdsprachenlernen besucht und daraufhin eine Erzieherin eingestellt, die sich mit den Jungen und Mädchen ausschließlich auf Englisch unterhielt. Um das Projekt nach der Kindergartenzeit fortzusetzen, wurde eine Grundschule gesucht, und die damalige Grund- und Hauptschule Loher Weg hatte Interesse. Mittlerweile ist sie ein Teil der Klaus-Groth-Schule, aber Bili gibt es immer noch.





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