Friedrichskoog

Wolf: Schafhalter gehen beunruhigt in den Winter

In den vergangenen Monaten war es ruhig. Zumindest in Dithmarschen. Den letzten Wolfsriss hier weist die offizielle Landesliste für Mai aus. Doch die Schäfer gehen mit einem mulmigen Gefühl in die dunkle Jahreszeit.

Lena Kleinwort sitzt in ihrer Küche, mit Tochter Nele neben ihr, vor sich hat Kleinwort ihr Mobiltelefon auf dem Tisch liegen. „Es geht wieder damit los, dass man sich morgens Sorgen macht, dass jemand von einem Wolfsriss berichtet“, sagt sie mit Blick auf das Gerät. So war es in der ersten Jahreshälfte, als Wölfe immer wieder Tiere in Dithmarschen rissen, manche töteten, andere so schwer verletzten, dass sie eingeschläfert werden mussten. Im Sommer gründete sich daraufhin die Initiative Wolfsfreies Dithmarschen. Lena Kleinwort ist eine der Sprecherinnen. 

„Einige Schafhalter haben ihre Tiere bereits auf die Winterweide gebracht“, sagt sie. „Und die haben schon ein schlechtes Gefühl.“ Denn zu Beginn des Jahres waren vor allem die Flächen auf der Geest im Visier des Raubtieres, wo die Schafe die Wintermonate verbrachten. Im Januar verging fast keine Nacht ohne eine Attacke. Die ersten Tierhalter haben Konsequenzen gezogen und aufgegeben. Auch Lena Kleinwort und ihr Ehemann haben ihre Pferdezucht beendet. Der Gedanke, dass ein Pferd durch einen Wolfsangriff durchgehen, auf eine vielbefahrene Straße rennen und dabei Menschenleben gefährden könnt, war einer der Gründe für ihre Entscheidung. Bleiben noch die Schafe. 

280 Muttertiere hat die Familie. In diesem Jahr kommen sie nicht auf die Geest. Ihnen stünden genügend Kohl- und Zwischenfruchtacker für die Schafe zur Verfügung, sagt die Friedrichskoogerin. „Die Tiere stehen dann bis kurz vor Kannemoor. Näher am Wald sind wir zum Glück nicht.“ Entlang des Nord-Ostsee-Kanals habe es Sichtungen gegeben. Etwas, auf das sich die Initiative nicht allzu sehr verlassen will. Schließlich werden bestimmte Hunderassen und Wölfe auch schon einmal verwechselt. „Aber ignorieren können wir das nicht.“  Sie hofft, dass Dithmarschen in diesem Winter von weiteren Angriffen verschont bleibt. 

Trotzdem behalten sie und die anderen Mitglieder der Initiative die Situation genau im Auge. Mehr als 200 Dithmarscher haben sich inzwischen der Gruppe angeschlossen. Doch nicht jeder hat Verständnis für ihr Anliegen. Es gebe Beschimpfungen auf Facebook, aber auch während des Dithmarschentages habe es einige Besucher gegeben, die beim Vorübergehen am Stand der Initiative beleidigend wurden. Doch nicht alle sind so. „Es waren auch drei Personen aus Bayern und Berlin, die sagten, dass sie kein Verständnis dafür hätten, dass wir den Wolf in Deutschland nicht wollten“, erinnert sich Kleinwort. Dabei gehe es nicht darum, den Wolf aus Deutschland zu vertreiben. Nur in Dithmarschen, mit seiner geringen Waldfläche und der hohen Bedeutung der Schafe für den Küstenschutz, sei es eben schwieriger als an anderen Orten. Mit diesen Leuten seien sie ins Gespräch gekommen. Im Nachbarkreis Steinburg gehe es da schon schlimmer zu. Wolfsgegner stünden bei den Mitgliedern der dortigen Initiative auch schon einmal auf dem Hof und drohten den Menschen direkt, hat Kleinwort über den direkten Austausch erfahren.

Am Sonnabend, 23. November, will sich die Initiative auf dem Weihnachtsmarkt von Sprecherin Stefanie Mahmens in Lehe vorstellen. Dann soll auch die Halterin eines Herdenschutzhundes dabei sein und über ihre Erfahrungen sprechen. Eine Schutzmethode, in die Kleinwort nicht viele Hoffnungen steckt. „Ein Wolfsrudel trickst die aus“, ist sie überzeugt. Die Initiative wünscht sich, dass jeder Riss beim Land angezeigt wird. Derweil hängen in Oesterdeichstrich inzwischen die ersten Plakate mit Fotos von gesunden und angegriffenen Schafen. In naher Zukunft sollen noch weitere dazukommen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.