Brunsbüttel

Zurück im Leben

Ihre Diagnose war niederschmetternd: Chronische Leukämie. Doch Michaela Stahnke hat sich zurück ins Leben gekämpft. Jetzt will sie gesunde Menschen ermutigen, bei der Typisierungsaktion mitzumachen.

Es ist drei Jahre her, als sich Michaela Stahnke häufig schlapp und müde fühlte. Die niederschmetternde Diagnose ihres Hausarztes: Chronische myeloische Leukämie. Abgekürzt: CML. Eine sehr seltene Form von Blutkrebs. Eine Krankenhaus-Odyssee beginnt. Michaela Stahnke steht der wohl schwerste Kampf ihres Lebens bevor. 

Es ist ein Freitag, 2016, den die Brunsbüttelerin nie vergessen wird. Früh morgens lässt sie sich Blut abnehmen. „Für mich war das eine Routineuntersuchung. Obwohl ich immer wieder schlapp war, habe ich mir keine Sorgen gemacht“, sagt die heute 39-Jährige. Sie hatte damals zwei Jobs und musste viel arbeiten. „Da dachte ich, dass es normal sei, wenn man so abgeschlagen ist.“ 

Aber nichts ist normal. Noch am selben Tag ruft ihr Internist die Brunsbüttelerin an. Einige Blutwerte seien auffällig. Sie soll sofort zu ihm in die Praxis kommen. „Eigentlich war die Sprechstunde längst beendet.“ Im Untersuchungszimmer wird sie mit der erschreckenden Diagnose konfrontiert: Blutkrebs. Michaela Stahnke befindet sich in einer Art Ausnahmezustand. Alles muss plötzlich sehr schnell gehen. Bereits am darauffolgenden Tag wird sie ins Krankenhaus in Kiel eingewiesen. „Ich bekam sofort eine hochdosierte Chemotherapie.“ Doch die Medikamente schlagen nicht an. Stattdessen hat Michaela Stahnke mit großen Nebenwirkungen zu kämpfen. Sie fühlt sie elend, mag nichts essen. Ihr geht es zusehends schlechter. Plötzlich hat sie Wasser in der Lunge. „Es war eine ganz schreckliche Zeit.“ Sie verliert fast die Hoffnung, rechnet schon damit, eine Stammzelltransplantation zu benötigen um zu überleben. 

Schließlich wird sie in eine Studie der Uniklinik Eppendorf aufgenommen, bekommt neue Medikamente. „Die Nebenwirkungen waren immer noch sehr heftig“, erinnert sich Michaela Stahnke. Ihr ist oft schwindelig, sie mag immer noch nicht essen nimmt 15 Kilo ab. Aber endlich zeigt die Therapie ihre Wirkung. Ihre Blutwerte verbessern sich. 

Heute muss Michaela Stahnke dauerhaft ein Medikament einnehmen, dass das Fortschreiten der Krankheit verhindert. Die Leukämiezellen sind erfolgreich zurückgedrängt. „Ich fühle mich sehr viel besser, treibe sogar wieder Sport, ernähre mich sehr gesund und hoffe, bald wieder arbeiten zu können.“ Michaela Stahnke weiß, dass ihre Krankheit auch noch ganz anders hätte verlaufen können und eine Stammzelltransplantation der letzte Ausweg gewesen wäre. Viele Leukämiekranke sind darauf angewiesen. „Deshalb hoffe ich, dass möglichst viele Menschen am Sonnabend bei der Typisierungsaktion mitmachen.“ 

CML

Die chronische myeloische Leukämie (CML), auch chronische Myelose genannt, ist eine chronische Leukämie, die mit einer starken Vermehrung von Leukozyten (weißen Blutkörperchen), speziell von Granulozyten und ihren Vorstufen, im Blut und im blutbildenden Knochenmark einhergeht. Das vorrangige Ziel der medikamentösen Behandlung ist es, ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern. Der Patient soll stabil in der chronischen Phase gehalten werden. 

Wenn die medikamentöse Therapie nicht anschlägt, oder in bestimmten Einzelfällen, kann eine Stammzelltransplantation infrage kommen. Bei einer Stammzelltransplantation werden zunächst die entarteten Stammzellen im Knochenmark des Patienten zerstört und im Anschluss durch neue, gesunde Stammzellen eines Spenders ersetzt.