Fußball überregional

Lichtgestalten in Drochtersen

Der Tabellenführer tritt nicht an: Das Spiel des VfB Lübeck bei Blau-Weiß Lohne (1. November) wurde ebenso verlegt wie die Partie zwischen Werder II und dem SSV Jeddeloh (19. Oktober).

Der Fokus des elften Spieltags in der Fußball-Regionalliga Nord liegt also auf der Frage, ob die Konkurrenz die „Abwesenheit“ des Spitzenreiters ausnutzen kann. Dem SC Weiche Flensburg würden drei Punkte in Delmenhorst reichen, um punktemäßig zum VfB aufzuschließen, und die SpVgg Drochtersen/Assel könnte sich mit einem Heimsieg gegen 96 II sogar die Tabellenführung sichern. 

Christopher Horn vom SSV Lunden leitet die Partie im Millerntor-Stadion, wohin die zweite Mannschaft des FC St. Pauli, die sonst in Norderstedt antritt, ausweichen darf.

Die Regionalliga-Vorschau von Stefan Freye (Norddeutscher Fußballverband)

SpVgg Drochtersen/Assel – Hannover 96 II (Fr., 19.30 Uhr) 

Das Licht geht an im Kehdinger Stadion, zum zweiten Mal in dieser Saison, und das bedeutet für die Gegner der Spielvereinigung selten etwas Gutes. Allerdings: Der Gastgeber verlor das letzte Heimspiel mit 1:2 gegen den Bremer SV und verfügt nun über eine ordentliche, keineswegs aber herausragende Heimbilanz (3-0-2). Zudem ist eine ziemlich formstarke Mannschaft zu Gast in Drochtersen: 96 gewann zuletzt beim HSV II (3:1), gegen Kickers Emden (5:1) und beim Bremer SV (3:0). „Ein echt souveränes Spiel von uns“, sagte Daniel Stendel nach dem Sieg in Bremen. Trotz des Flutlichts am Elbdeich dürfte dieses Duell also als recht offen gelten. 

Atlas Delmenhorst – SC Weiche Flensburg (Sa., 16 Uhr) 

Als Tabellenneunter - mit 14 Punkten aus neun Spielen (4-2-3) - zählt Atlas zweifellos zu den Teams, die sich im Soll befinden. Zumal es recht eng zugeht im Mittelfeld der Liga und mit nur einem Sieg bereits ein ordentlicher Sprung nach oben verbunden wäre. Der Gast aus Flensburg sammelte gar 18 Punkte (6-0-3) und kommt als Tabellenvierter ins Stadion am Düsternort. Im Soll befindet sich Weiche aber eigentlich nicht. „Ich bin stinksauer“, sagte Thomas Seeliger nach der 1:2-Heimniederlage gegen Blau-Weiß Lohne, der dritten Pleite im fünften Spiel auf eigenen Platz. Der Trainer warf seiner Mannschaft vor, „leidenschaftslos und nicht präsent“ aufgetreten zu sein. Nach der erneuten Niederlage bestehen jedenfalls ernsthafte Zweifel an einer Rolle als Herausforderer des Topfavoriten VfB Lübeck. Andererseits: Auswärts war Weiche belang eine Macht, gewann alle vier Partien auf fremden Platz. Nachdem der Gast nun etwas gutzumachen hat, sollte er erneut zu einer starken Auswärtsleistung imstande sein. Vor einer leichten Aufgabe steht Atlas also nicht. 

FC St. Pauli II – TSV Havelse (Sa., 16 Uhr) 

Es geht in die große Arena: Ausgetragen wird die Partie im Millerntor-Stadion, und dabei liegt ein richtig guter Auftritt hinter dem Gastgeber. Beim 1:1 im Auswärtsspiel gegen den VfB Lübeck hatte St. Pauli II erst in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer kassiert. „Wir haben 60 Minuten ein gutes Auswärtsspiel gemacht, es dann aber versäumt, für Entlastung zu sorgen und unsere Chancen auszuspielen“, meinte Elard Ostermann. Der Trainer war sich deshalb nicht ganz sicher, wie er den Punktgewinn einordnen sollte: „Ich weiß nicht so recht, ob ich mich über die Leistung der Mannschaft freuen oder über das späte Gegentor ärgern soll.“ 

Beim TSV Havelse war man sich dagegen einig über das Fazit der letzten Partie. Das 1:3 gegen den SV Werder II galt als erneute Enttäuschung, und das hatte Konsequenzen: Für Philipp Gasde übernahm der bisherige U-19-Trainer Samir Ferchichi das Traineramt. TSV- Sportdirektor Florian Riedel: „Trotz der zu jeder Zeit leidenschaftlichen und akribischen Arbeit von Philipp Gasde können wir den Blick auf die Tabelle und die Ergebnisse der letzten Wochen nicht ignorieren und sind deshalb zu der Entscheidung gekommen, einen neuen Impuls auf der Position des Cheftrainers setzen zu müssen.“ Ob sich der neue Mann nun gleich mit einem Erfolg im Millerntor-Stadion einführt? 

Phönix Lübeck – Hamburger SV II (So., 14 Uhr) 

Das tat gut: Beim 3:2 in Norderstedt landete Phönix den ersten Erfolg nach zuvor vier sieglosen Spielen. Der Gastgeber belegt zwar immer noch einen Abstiegsplatz, zählt dabei aber zu einer Gruppe von gleich sechs Teams, die elf Zähler gewannen und zwischen Platz zehn und 15 rangieren. Nun möchte sich der Gastgeber natürlich absetzen von der Konkurrenz im unteren Mittelfeld. Der HSV möchte wieder zurück in die Erfolgsspur, nach mittlerweile drei sieglosen Spielen in Folge. Allerdings: Beim respektablen 1:1 gegen den VfB Lübeck im letzten Spiel hatte der Gast seine Qualitäten nachhaltig unter Beweis gestellt. Der Tabellenfünfte wartet zwar länger auf einen Sieg, er dürfte aber schon in ganz ordentlicher Form nach Lübeck reisen. 

Holstein Kiel II – Kickers Emden (So., 14 Uhr) 

Nun hat die Saison begonnen: Drei Siege stehen in der Bilanz von Holstein II, und diese neun Punkte gewann der 14. in den vergangenen vier Partien – nachdem er zuvor in sechs Spielen gerade zwei Zähler gewonnen hatte. Die Formkurve des Gastgebers zeigte zuletzt also steil bergauf. Von den Kickers aus Emden lässt sich das nicht unbedingt behaupten: Zwar hatte der Gast beim 3:0 über den Mitaufsteiger Bremer SV in seinem achten Spiel erstmals gewonnen. Doch zuletzt folgte eine 1:5-Pleite gegen 96 II. Die Kickers scheinen deshalb kaum in der Lage, für ein Ende des Kieler Aufschwungs zu sorgen. Aber das soll nun wirklich nichts heißen in einer Liga voller Überraschungen. 

Teutonia 05 Ottensen – BSV Rehden (So., 14 Uhr) 

Das 1:1 gegen D/A stoppte eine Mini-Serie von zwei Niederlagen in Folge. Es war aber nicht geeignet, für strahlende Gesichter in Ottensen zu sorgen, fiel der Ausgleichstreffer doch in der Schlussminute. Noch agiert der Gastgeber also nicht mit der nötigen Stabilität. Aber das hat er mit seinem Gegner gemein: Der BSV aus Rehden feierte zwei Siege, verlor überraschend gegen Lohne, um sich am letzten Wochenende die Punkte mit Atlas Delmenhorst zu teilen (1:1). Es ist also kein Wunder, dass sich der BSV (12.) und die Teutonia (13.) mit jeweils elf Punkten in der Tabelle recht nahe kommen. Nun gilt für beide Mannschaften: Mit drei Punkten aus diesem Spiel ließe sich der Anschluss an die ungefährdeten Plätze der Regionalliga herstellen. Das dürfte ein recht großer Anreiz sein. 

VfV Borussia 06 Hildesheim – Bremer SV (So., 15 Uhr) 

Das 1:1 gegen den HSV II war bereits das dritte sieglose Spiel in Folge. Gleichwohl galt die Punkteteilung als ordentliche Leistung, und so scheint der Gastgeber auf einem guten Weg zurück zur Stärke der ersten Saisonwochen. Auf welchem Weg der BSV ist, lässt sich derzeit nicht so genau sagen. Der Aufsteiger sammelte bislang immerhin zehn Punkte und erwarb sich viel Respekt. Vor Ausreißern sind die Bremer aber nicht sicher – wie beim 0:3 gegen 96 II am vergangenen Wochenende. „Wir waren nicht konkurrenzfähig und haben nicht aktiv am Spiel teilgenommen“, beschrieb Kapitän Sebastian Kmiec die schwache Leistung. Man darf davon ausgehen, dass sich der Tabellensiebzehnte eine ganze Menge vorgenommen hat beim Siebten in Hildesheim.  

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