Heide

Müller in der Jokerrolle

Die Weltbühne des Fußballs ist gerade in Italien aufgebaut. Die deutsche Nationalmannschaft wird sich wohl erst in Katar wieder mit Italien, Spanien, Belgien und Frankreich ernsthaft messen dürfen.

Die Nationen-Liga hatte bei ihrer Einführung einen zweifelhaften Ruf, doch dass die Besten diesen Wettbewerb ernst nehmen, zeigten die Halbfinals in Mailand und Turin, die von den Spaniern und Franzosen gewonnen wurden, so dass diese beiden das Endspiel am Sonntag bestreiten. Einen ähnlichen Glanz konnte die deutsche Mannschaft beim 2:1 (0:1) gegen Rumänien nicht verbreiten. Das Bemühen war da, und die drei Punkte sichern längerfristig die Tabellenführung. 25.000 freundliche, für das Volksparkstadion zugelassene Zuschauer waren dabei.

Und es ist auch nicht so, dass die WM-Qualifikation völlig untergeht im Reigen der Großen. Der Videobeweis war auch in Hamburg eine Maßnahme der Objektivierung. DFB-Kapitän Joshua Kimmich sollte sich in der Halbzeitpause veranlasst fühlen, dem türkischen Schiedsrichter Cüneyt Cakir ein paar aufrichtig ernste Worte mitzugeben. Kimmich hatte nach sechs Minuten bereits am Elfmeterpunkt gestanden - bereit, einen Strafstoß zu verwandeln, den der Schiedsrichter nach Burcas Attacke gegen Werner gepfiffen hatte. Daraufhin entspann sich eine rege Debatte mit dem Videogericht. Cakir machte sich am Bildschirm vor der Westtribüne selber ein Bild und nahm die Entscheidung zurück.

Das sollte nicht alles sein für diesen Moment. Im Gegenzug - inzwischen war‘s die neune Minute, so lange hatte der Ball auf dem Punkt gelegen - nahm sich Hagi auf der rechten Seite ein Herz, tunnelte Rüdiger und verwandelte trocken mit links zur rumänischen 1:0-Führung. Der erste Gegentreffer war es in der noch jungen Bundestrainer-Ära des Löw-Nachfolgers Hans-Dieter Flick.

Sich aus den Fängen dieses unerwarteten Ergebnisses zu befreien, dauerte einige Minuten. Zu ungenau agierten die Deutschen im Zuspiel. Der schnelle, aber umständliche Sane sowie Reus verloren  viele Bälle. Es drehte sich Richtung rumänisches Tor, als Gnabry rechts die Initiative verlangte.  Dabei wurden bereits Rufe nach Thomas Müller laut, der nicht in der Anfangsformation stand - wie sein Bayern-Kollege Neuer auch, aber beim Torwart waren Adduktorenprobleme die Gründe.

Kein Zufall jedenfalls war, dass Gnabry der Ausgleich gelang. Eine weitere gefährliche Kontersituation hatte die DFB-Elf noch überstehen müssen, dann fasste sich Gnabry knapp außerhalb der Strafraumbegrenzung ein Herz und traf in der 52. Minute mit einem unhaltbaren Flachschuss zum 1:1.

Flick brachte Havertz und Müller, die in mehr als 20 Minuten als frische Kräfte gegen die erlahmende Energie der Rumänen mehr bewerkstelligen sollten als ihre Vorgänger Reus und Werner. Und tatsächlich: Thomas Müller sorgte in der 81. Minute für die Erlösung. In seiner typischen Manier hatte sich der Münchner nach einem Eckball an die entgegengesetzte Seite geschlichen. Der Dropkick war nicht einfach zu verwandeln, aber das kann Müller, der sein 40. Länderspieltor erzielte.

Kehrer holte sich nach Rüdigers Leichtsinnsfehler im Mittelfeld die Gelbe Kartte für ein taktisches Foul ab. Sie wird vergessen sein, wenn es im Advent 2022 in Katar um die Weltmeisterschaft geht, vielleicht gegen Belgien, Frankreich, Italien oder Spanien, eher nicht noch einmal gegen Rumänien. Am Montag in Skopje könnte Deutschland das WM-Ticket mit einem Sieg gegen Nordmazedonien lösen.

Deutschland - Rumänien 2:1 (0:1)

Deutschland: ter Stegen (FC Barcelona/29/26) -   Hofmann (Bor. Mönchengladbach/29/7 - 85. Klostermann (RB Leipzig/25/15)), Süle (Bayern München/26/36), Rüdiger (FC Chelsea/28/48), Kehrer (Paris Saint-Germain/25/13) - Kimmich (Bayern München/26/63), Goretzka (Bayern München/26/39) - Gnabry (Bayern München/26/30), Reus (Borussia Dortmund/32/47 - 67. Havertz (FC Chelsea/22/21)),  Sané (Bayern München/25/38 - 89. Adeyemi (RB Salzburg/19/2)) - Werner (FC Chelsea/25/46 - 67.  Müller (Bayern München/32/107)).

 Rumänien: Nita (Sparta Prag/34/10) - Ratiu (SD Huesca/23/3), Rus (Mol Fehérvár FC/25/9), Chiriches (Sassuolo Calcio/31/68), Burca (CFR Cluj/28/7 - 50. Manea (CFR Cluj/24/15)), Tosca (Gaziantep FK/29/27) - Hagi (Glasgow Rangers/22/21 - 60. Maxim (Gaziantep FK/31/50)), Stanciu (Slavia Prag/28/51 - 82. Albu (Rapid Bukarest/28/1)),   Marin (Cagliari Calcio/25/34), Mihaila (Parma Calcio/21/4 - 60. Ivan (Univ. Craiova/24/10)) - Puscas (FC Reading/25/24 - 82. Mitrita (PAOK Saloniki/26/15))

Schiedsrichter: Cüneyt Cakir (Türkei).

 Zuschauer: 25.000.

 Tore: 0:1 Hagi (9.), 1:1 Gnabry (52.), 2:1   Müller (81.).

 Gelbe Karten: Kehrer (1) - Stanciu (1), Ratiu (1), Puscas (1).

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