Hamburg

Aktenfund über Hamburger Justiz in Nazi-Zeit

Hamburg (dpa/lno) - Im Staatsarchiv Hamburg sind nach Informationen der «Zeit» erstmals umfangreiche Akten über die Tätigkeit des Oberlandesgerichts (OLG) in der NS-Zeit öffentlich gemacht worden. Die neu entdeckten Akten zeigten, wie das oberste Gericht der Stadt in der Nazi-Zeit gearbeitet habe und wie eifrig Hamburger ihre Mitbürger denunzierten hätten, berichtet die Wochenzeitung auf ihren Hamburg-Seiten. Außerdem werde offenbart, wie unbehelligt Täter nach dem Krieg weiterleben konnten.

Die Existenz der Akten habe überrascht, weil Experten bislang davon ausgegangen seien, dass die Bestände des OLG kurz vor Kriegsende weitgehend vernichtet wurden. 460 Strafverfahren stecken in den Akten. Enthalten seien Vernehmungsprotokolle und Ermittlungsberichte der Gestapo, Anklageschriften und Urteilstexte. Der Historiker Frank Bajohr sprach in der «Zeit» von einer «Quellengruppe von herausragender Bedeutung». Viele der Verfahren hätten eine Denunziation als Ausgangspunkt gehabt, berichtete die «Zeit» weiter. Eine Wohnungseigentümerin habe ihre Mieter verpfiffen, weil sie Kommunisten seien. Ein Werftarbeiter habe seine Arbeitskollegen angezeigt, weil sie sich über Judenmorde in Polen unterhielten.