Hamburg

Jungfernstieg für Autos gesperrt: Kritik der Handwerkskammer

Hamburg (dpa/lno) - Der Hamburger Jungfernstieg ist seit Freitag weitgehend autofrei. Nur Taxis und Busse sowie Liefer- und Müllwagen dürfen zwischen 21.00 und 11.00 Uhr die Straße an der Binnenalster noch befahren. Diese Regelung gilt auch für die nördlichen Abschnitte der Seitenstraßen Neuer Wall und Große Bleichen. Radfahrer sollen nur noch die Fahrbahn benutzen. Dadurch haben Fußgänger mehr Platz auf der Promenade am Wasser. Die vorläufige Umgestaltung der Straße soll Mitte November abgeschlossen sein. Der endgültige Umbau ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Die Neugestaltung des Jungfernstiegs leiste einen spürbaren Beitrag zur Mobilitätswende, erklärte ein Sprecher von Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne).

Die Hamburger Handwerkskammer kritisierte die neue Regelung. Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grünen sei im Mai beschlossen worden, alle Interessengruppen bei der Planung zu berücksichtigen, sagte Kammerpräsident Hjalmar Stemmann dem «Hamburger Abendblatt» (Freitag). «Das ist mit uns, dem Handwerk, nicht ausreichend geschehen.» Die Begrenzung des Wirtschaftsverkehrs auf die Nachtzeit bezeichnete Stemmann als «dumm Tüch» (dummes Zeug). «Wir können notwendige Reparaturen und Renovierungen nicht nur nachts oder am frühen Morgen ausführen.» Der Kammerpräsident forderte eine unbürokratische Regelung bei Fahrrechten und Parkerlaubnissen für Handwerker und soziale Dienste in ganz Hamburg.

Von der Verkehrsbehörde hieß es, auch mit der Handwerkskammer sei über die Planungen gesprochen worden. Allerdings habe es vonseiten der Anlieger des Jungfernstiegs kein Interesse an einer Ausweitung der Lieferzeiten gegeben. Der Behördensprecher fügte hinzu: «11.00 Uhr ist nicht nachts.» Außerdem seien die Lieferzonen in unmittelbarer Nähe des Jungfernstiegs ausgeweitet worden. Lieferanten und Handwerker könnten in etwa 70 Meter Entfernung parken. «Es gibt auch Ausnahmegenehmigungen für Handwerker», sagte der Sprecher.

In mehreren deutschen Städten wird derzeit über autofreie Straßen in der Innenstadt diskutiert. In Berlin dürfen seit einigen Wochen auf einem 500-Meter-Abschnitt der Friedrichstraße keine Autos fahren; als Pilotprojekt bis Ende Januar. Es entstand eine Flaniermeile für Fußgänger und Radfahrer, mit Sitzgelegenheiten, Schaukästen, Außengastronomie und Bäumen. Sie soll erlebbar machen, wie sich Großstadt ohne Autoabgase, Verkehrslärm und Stau anfühlt und den Handel beleben. Es gibt aber auch Befürchtungen bei Händlern, dass nun Kunden wegbleiben.