Rostock

Schlechte Stimmung in der deutschen Traditionsschifffahrt

Rostock (dpa/mv) - Die Betreiber deutscher Traditionsschiffe sind auch nach der Einigung des vergangenen Jahres auf die lange Zeit umstrittene Sicherheitsverordnung unzufrieden. «Wir sehen uns mit immer neuen und nicht abgesprochenen Forderungen konfrontiert», sagte Jan-Matthias Westermann, Vorsitzender des Dachverbands der deutschen Traditionsschiffe, am Donnerstag bei einer internationalen Fachkonferenz in Rostock. Die Forderung der Behörden beträfen beispielsweise die deutschlandweit fünf großen maritimen Veranstaltungen für Traditionsschiffe. So sollen bei den Schiffen unter Deck die gleiche Anzahl von Sitzplätzen vorhanden sein wie Gäste während der Ausfahrt auf Deck sind.

«Es ist ja gar nicht die Absicht, dass die Menschen bei solchen Veranstaltungen dauerhaft unter Deck sind», fügte der Chef der Rostocker Hanse Sail, Holger Bellgardt, hinzu. Durch immer neue Auflagen würden Bedingungen aufgestellt, die nicht abgesprochen und zudem nicht verständlich sind.

Eine weitere Forderung der Behörden sei, dass ein Schiffseigner vor der ersten Teilnahme an einer maritimen Veranstaltung die maximal zulässige Personenzahl an Bord nehmen muss, sagte Bellgardt. Dann solle geübt werden, wie diese Personen in einem fiktiven Notfall gerettet werden können. Es stelle sich zunächst die Frage, ob eine solche Übung überhaupt praktikabel ist. Aber auch bei diesem Beispiel gelte, dass diese Forderung seitens der Behörden ohne jegliche Absprache aufgestellt werde.

Es ist auch nach Verbandsansicht unrealistisch, für jedes der rund 100 deutschen Traditionsschiffe solche Szenarien aufzustellen. «So etwas ist auch noch nie gefordert worden», machte Westermann deutlich.

In den vergangenen Jahren hatte die Diskussion um die neue Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe für Streit und Aufregung gesorgt. Zwischenzeitlich wurde eine Einigung erzielt und eine Ombudsstelle eingerichtet. Dort sollen strittige Punkte bei der Anwendung der Sicherheitsvorschriften geklärt werden. «Wir sind mitten im Prozess der Umsetzung drin, in den wir uns hineinarbeiten müssen», sagte Westermann. Die Stimmung sei noch nicht so schlecht wie vor der gemeinsamen Vereinbarung. «Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht genau da wieder hinkommen.»