Hamburg

Schüsse auf Rocker: Lebenslange Haftstrafe gefordert

Hamburg (dpa/lno) - Im Prozess um die Schüsse auf einen Rockerboss auf St. Pauli hat die Hamburger Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe für einen 28 Jahre alten Angeklagten gefordert. Für die 24-jährige Mitangeklagte beantragte die Behörde am Donnerstag 14 Jahre Haft, wie Oberstaatsanwältin Nana Frombach mitteilte. Die Frau habe sich des versuchten gemeinschaftlichen Mordes in Tateinheit mit vollendeter gefährlicher sowie schwerer Körperverletzung schuldig gemacht. Der 28-Jährige sei wegen Anstiftung zum versuchten gemeinschaftlichen Mord in Tateinheit mit Anstiftung zur gemeinschaftlichen gefährlichen sowie schweren Körperverletzung zu verurteilen.

Auf den Rockerboss waren in der Nacht zum 27. August vergangenen Jahres fünf Schüsse abgegeben worden, als er mit seinem weißen Bentley vor einer Ampel am Millerntor hielt. Der 38-Jährige wurde lebensgefährlich an Kopf und Oberkörper verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Die 24-Jährige hat vor Gericht eingeräumt, dass sie den Wagen fuhr, aus dem heraus der Schütze auf den Hells Angel feuerte. Sie habe aber nicht gewusst, was der Unbekannte vorgehabt habe, als er bei ihr eingestiegen sei. Der Täter ist flüchtig.

Der 28-jährige Angeklagte gehörte einst den Mongols an, einer mit den Hells Angels verfeindeten Rockergruppe. Zur Tatzeit saß er wegen Drogen- und Waffendelikten im Gefängnis. Der Anschlag war nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Racheakt. Gut zwei Jahre zuvor war das Paar Opfer eines ähnlich heimtückischen Überfalls im Stadtteil Schnelsen geworden. Dabei waren die beiden Deutschen schwer verletzt worden, die Frau sogar lebensgefährlich. Diese Tat konnte bislang nicht aufgeklärt werden, aber die Angeklagten sollen den Hells Angel für das Verbrechen verantwortlich gemacht haben.

Die Verteidigung soll ihr Plädoyer am 29. Mai halten, die Strafkammer am Landgericht will ihr Urteil am 3. Juni verkünden.