Muzeum Stutthof

KZ-Überlebende: Wir galten in Stutthof als «Untermenschen»

Hamburg (dpa/lno) - Eine jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Stutthof hat am Dienstag im Hamburger Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann ausgesagt. Nach ihrer Ankunft in dem Lager bei Danzig im September 1944 hätten Aufseherinnen sie bespuckt, getreten und ihr die Nase gebrochen, berichtete die 92 Jahre alte Zeugin Halina Strnad über eine Videoverbindung aus der australischen Stadt Melbourne. Sie habe gehört, wie eine Wächterin an der Tür ihrer Baracke sagte: «Da haben wir unsere Untermenschen!»

Die gefangenen Frauen hätten im Stroh auf dem Boden gelegen. Die Bedingungen seien so schlimm gewesen, dass von den 100 bis 200 Gefangenen in ihrer Baracke nur 20 bis 25 die Räumung des Lagers vor Kriegsende erlebten. «Wir sahen aus wie Untermenschen», sagte Strnad. Vom nahen Wachturm aus hätten die SS-Männer sehen können, wie die Häftlinge geschlagen wurden oder zur Bestrafung lange Zeit beim Appell stehen mussten.

Dem 93 Jahre alten Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Durch seinen Wachdienst von August 1944 bis April 1945 soll er «die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt» haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Gefangenen zu verhindern.