Hamburg

Hamburger SPD geht im Wahlkampffinale auf Höhenflug

Hamburg (dpa/lno) - Gut eine Woche vor der Bürgerschaftswahl in Hamburg setzt sich die SPD in Umfragen als stärkste Kraft deutlich vom grünen Koalitionspartner ab. Ein am Freitag veröffentlichtes ZDF-Politbarometer sieht die Sozialdemokraten bei 37 Prozent, zwölf Prozentpunkte vor den Grünen, die auf 25 Prozent kämen, wenn schon an diesem Sonntag gewählt würde. Eng wird es für die FDP, die im Schatten des Eklats um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen laut Umfrage nur auf 4,5 Prozent käme und damit den Wiedereinzug in die Bürgerschaft verpassen würde. Die CDU würde 13 Prozent erreichen, die Linken 8 und die AfD 7 Prozent.

FDP-Spitzenkandidatin Anna von Treuenfels-Frowein will sich von den Umfragen nicht entmutigen lassen. Das sei nicht so schön, sagte sie im ZDF-«Morgenmagazin» zu den Zahlen. «Aber trotzdem kämpfen wir natürlich gerade jetzt erst recht weiter.» Nach der mit den Stimmen der AfD erfolgten Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich in Thüringen sei der Schaden groß. «Wir müssen uns jetzt natürlich durchkämpfen, denn Thüringen ist für uns eine Hypothek.» Unabhängig davon sei es für ihre Partei wichtig, einen guten und optimistischen Wahlkampf zu führen.

Lange sah es in Hamburg nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPD von Bürgermeister Peter Tschentscher und den Grünen aus. Während die Grünen auch vom Höhenflug im Bund profitierten, lag die SPD in Hamburg in Umfragen mit knapp 30 Prozent zwar deutlich über dem Bundestrend, aber weit entfernt von den 45,6 Prozent, die sie bei der Wahl 2015 erreicht hatte.

Eine bereits am Donnerstag veröffentlichte Umfrage von Infratest dimap für die ARD-«Tagesthemen» sah die SPD nun aber bei 38 Prozent, die Grünen nur noch bei 23. Die Grünen-Spitzenkandidatin und Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank nahm es gelassen: «Wir wollen ja keine Umfrage gewinnen, sondern wir wollen die Wahl gewinnen.»

Eine Fortsetzung von Rot-Grün fände eine Mehrheit der Hamburger gut: laut ZDF-Politbarometer 57 Prozent. Nur 22 Prozent hielten das für schlecht. Für mehr als drei Viertel der potenziellen Wähler spielten bei der Bewertung der Parteien Hamburger Themen die Hauptrolle. Nur 19 Prozent gaben bundespolitische Motive an. Wichtigstes Thema ist demnach der Verkehr in der Stadt - mit deutlichem Abstand vor Mieten und Wohnungsmarkt sowie Klimaschutz.

Der CDU scheint es unter ihrem Spitzenkandidaten, dem Altonaer Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg, nicht zu gelingen, aus dem Zustimmungstief herauszukommen. Ein Ergebnis von 20 plus mit Option auf eine Regierungsbeteiligung hatte Weinberg als Ziel ausgegeben. In beiden Umfragen schnitten die Christdemokraten mit 13 beziehungsweise 14 Prozent jeweils aber noch schlechter ab als bei der Bürgerschaftswahl 2015, als sie mit knapp 16 Prozent ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfuhren.