Brussel

Weniger Hering und Dorsch: Schlechte Nachrichten für Fischer

Stralsund (dpa) - Die Ostseefischer schauen gebannt nach Luxemburg, wo wie in jedem Jahr Mitte Oktober die Fangmengen für das kommende Jahr festgelegt werden. Am Montagabend verhandeln die EU-Agrarminister über die Ostsee-Fangquoten für 2021. Der Ende August veröffentliche Vorschlag der EU-Kommission auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten stößt auf den Widerstand der Fischer.

Demnach ist vor allem der Dorsch weiter sehr gefährdet. 2020 ist die Fangmenge bereits drastisch eingeschränkt worden. Nun soll sie in der westlichen Ostsee nochmals um 11 Prozent sinken, in der östlichen Ostsee um 70 Prozent. «Das ist im Prinzip ein Dorschfangverbot», kommentierte Norbert Kahlfuss vom Landesverband der Kutter- und Küstenfischer das Vorhaben. Die geringe Quote sei ohnehin nur für die unvermeidlichen Beifänge an Dorsch gedacht gewesen.

Heringe sollen in der westlichen Ostsee 2021 nur noch halb so viele gefangen werden wie in diesem Jahr, in der mittleren Ostsee 36 Prozent weniger. «Für die Fischer ist das der nächste Nagel für den Sarg», sagte Kahlfuss. Nur im Rigaischen Meerbusen soll 15 Prozent mehr Hering gefischt werden dürfen, im Bottnischen Meerbusen genauso viel wie 2020.

Für den letzten Berufsfischer in Stahlbrode bei Greifswald, Ralph Krehl, würde die neue Quote bedeuten, statt acht Tonnen Hering in diesem Jahr nur noch vier Tonnen fangen zu dürfen. «Das ist so gut wie gar nichts», sagte er. Um seine Verkaufsstelle mit Räucherei und Imbiss aufrechtzuerhalten, müsste er dann noch mehr Fisch zukaufen. Seine beiden alten Kutter kann er nicht abwracken, sonst wäre die Fangquote weg. Zum Fischen fährt er mit einem kleinen Motorboot.

Umweltschützer schlagen vor, die Fischerei in der westlichen Ostsee einige Jahre ganz einzustellen. Wenn sich die Fischbestände erholt haben, sollten kleine, handwerkliche Fischer als erste wieder mit Quoten ausgestattet werden, sagte der Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace. «Wenn man die Fischerei in der westlichen Ostsee zerstören will, lässt man die Situation, wie sie jetzt ist.»