Heide

THW Kiel erreicht das Pokalfinale

Lange Schlangen vor den Eingängen zeigen: An ein volles Haus müssen sich alle erst noch wieder gewöhnen. Das Final Four im Pokalwettbewerb des Deutschen Handballbundes bietet einen guten Anlass.

Zum drittletzten Mal wird in Hamburg angeworfen, als der THW Kiel das erste Halbfinale gegen den TBV Lemgo Lippe eröffnet. Später folgen noch der SC Magdeburg und der HC Erlangen, so dass mit einem sonntäglichen Finale zwischen Kiel und Erlangen gerechnet wird, aber im Pokal hat es schon viele Überraschungen gegeben. Die Kieler kommen diesmal davon. Sie schlagen den TBV Lemgo Lippe mit 28:26. 

Auch bei der Neuauflage in der Hamburger Arena bleiben die Westfalen, die vor einem Jahr gewannen, hartnäckig. Sie zwingen dem Rekordmeister und -pokalsieger zur Halbzeit ein 12:12 auf, und damit ist Kiel gut bedient. Lemgo lag 12:9 vorn, als Kiels Trainer Filip Jicha den Buzzer drückte und zur Auszeit bat. Ausgesprochen herzlich schließen Jicha und sein Assistent Christian Sprenger drei Minuten später ihren  Miha Zarabec in die Arme. Der kleine Kieler Spielmacher hat für den Ausgleich gesorgt.

Selbstredend bleibt Zarabec für die nächsten Angriffe auf dem Feld und ist an den Treffern zum Kieler 14:12-Vorsprung gut beteiligt.

Kiel setzt sich aber nicht ab. Die Schlussviertelstunde bricht  beim Stand von 20:20 an.

Die Trainer ziehen alle Register. Filip Jicha und Florian Kehrmann lassen hier wie dort mit sieben Spielern angreifen, nehmen also den Torwart heraus - Kehrmann hat angefangen. Dieses Momentum bringt seinem Team das 21:20. Kiel lässt beide Linksaußen, Rune Dahmke und Magnus Landin, auf der linken Seite decken, Angriffsspezialist Sander Sagosen hatte das zeitweise nicht gut hingekriegt.

Pokal ist packend. Elisson, sonst oft an Landin gescheitert, trifft in den leeren Kieler Kasten zum 22:21 für Lemgo. Zehn Minuten müssen die Lipperländer noch durchhalten. Mindestens. Eine Verlängerung könnte es auch geben. Das leere Tor trifft vom eigenen Wurfkreis, nun auch Harald Reinkind, er für Kiel, das jetzt wieder vorn liegt - 23:22. Elisson bezwingt den am Boden liegenden Landin. Der TBV hat erneut ausgeglichen.

Bei der nächsten Auszeit, Lemgo beantragt sie nach 52 Minuten und zwölf Sekunden, wird die Zuschauerzahl mit 12.800 aufgeschrieben. Das ist Hamburg. Zum letzten Mal. Im nächsten Jahr wandert das Final Four nach Köln. Wirtschaftliche Gründen sind dafür verantwortlich. Dort passen 20.000 Zuschauer in die Halle.

24:24 steht es, als der THW Kiel in die Besprechungspause geht; gerade hat Wiencek in den leeren Kasten getroffen. Es sind noch fünfeinhalb Minuten, so dass beiden Trainern eine weitere Auszeit bleibt.

Reinkind erzielt das 25:24, Niklas Landin wird zum Unterschiedsspieler. Im Kieler Gegenzug greift sich Ekberg einen Abpraller, so dass die Kieler mit zwei Toren führen. Und wieder hält Landin.

In den letzten zweieinhalb Minuten lassen sich die Routiniers von der Förde das Geschehen nicht mehr aus der Hand nehmen. Nach dem 28:26 warten sie auf ihren Finalpartner, den anschließend der SC Magdeburg und der HC Erlangen ermitteln.

Der Titel „Spieler des Spiels“ geht an Sander Sagosen. Domagoj Duvnjak nennt seinen Keeper Niklas Landin den „besten Torwart der Welt“. Dagegen ist auch nichts zu sagen.

Filip Jicha, Trainer des THW Kiel: Es war, wie erwartet, ein unglaublich schweres Spiel. Wir haben Ende erster Halbzeit nach dem 9:12 eine gute Phase erwischt und sogar zu einem 5:0-Lauf fortgesetzt. Die zweite Hälfte war ein Pokalfight mit allem - Superanspiele, Torwartparaden und auch technische Fehler wegen Nervosität. 

Florian Kehrmann, Trainer des TBV Lemgo: Ich möchte die Schiedsrichter (Schulze/Tönnies) loben. Sie haben sich bei mir für ein tolles Spiel bedankt. Niklas Landin hat den Unterschied gemacht, als wir mit sieben Spielern angegriffen haben. Wem soll ich einen Vorwurf machen? Meine Mannschaft hat Unglaubliches geleistet. Tausend Dank an unsere Fans, aber das kennt man ja vom Final Four hier. Es hat Spaß gemacht. Ich wünsche den beiden Finalisten eine gute Leistung. Möge der Bessere gewinnen?

THW Kiel: Niklas Landin, Quenstedt - Ehrig, Duvnjak (2), Sagosen (8), Reinkind (5), Magnus Landin (1), Weinhold (1), Wiencek (5), Ekberg (2), Benitez, Dahmke (1), Zarabec (2), Horak, Bilyk, Pekeler (1).

TBV Lemgo Lippe: Zecher, Johannesson (1) - Hutecek (1), Elisson (7/3), Villaplana, Simak (2), Carlsbogard (1), Schlagen (1), Schwarzer, Suton (4), Zerbe (3), Guardiola (3), Cederholm (3), Reitemann, Blaauw, Geis.

Schiedsrichter: Tönnies/Schulze (Magdeburg).

Zuschauer: 12.800.

Zeitstrafen: THW Kiel 2 - TBV Lemgo Lippe 1.

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