Heide

Ab ins Wasser

Stiftung und Stadtwerke spendieren Kindern Schwimmkurse 

"Bitte alle zusammenkommen", ruft Schwimmlehrerin Ilka-Carolin Jahnke - und schon setzen sich die Mädchen und Jungen im großen Becken der Heider Wasserwelt in Bewegung. Noch werden sie von ihren Schwimmnudeln an der Oberfläche gehalten, doch die werden bald nicht mehr benötigt.

"Zwölf Unterrichtseinheiten, dann können die Kinder alleine schwimmen", sagt Badebetriebsleiter Jochen Stegemann. Die kleinen Badegäste besuchen den Kindergarten Arche Noah in Heide und besitzen laut Stegemann das beste Alter, um mit einem Kursus zu beginnen. "Im Alter von fünf oder sechs Jahren gibt es noch nicht die Scheu vor dem Wasser, die viele erwachsene Nichtschwimmer haben", so der Fachmann.

Finanziert werden dieser und weitere Kurse von der Kinder- und Jugendstiftung Dithmarschen und den Stadtwerken Heide, die der wachsenden Zahl von Nichtschwimmern gemeinsam etwas entgegensetzen wollen. Der Stiftungs-Vorsitzende Willi Ruge hatte sich über ein ähnliches Projekt beim Kinderschutzbund in Heide informiert und dort erfahren: "50 Prozent der Kinder in den dritten und vierten Klassen können nicht schwimmen."

Immer wieder warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) davor, dass Deutschland zu einem Land der Nichtschwimmer wird. Irgendwann kann das zu einem Problem werden, wenn die Betroffenen als Jugendliche oder Erwachsene Angst vor dem Ertrinken haben oder sich sozial isolieren, weil sie Ausflüge ins Freibad oder ans Meer nicht mitmachen und lieber zu Hause bleiben. Ganz davon abgesehen, können sie nie in den Genuss des Schwimmens als gelenkschonendem Ausgleichssport kommen.

Viele Gründe für die Kinder- und Jugendstiftung und die Stadtwerke, den Vorschülern die Anfängerkurse zu übernehmen. Erst einmal werden Mädchen und Jungen der Heider Kindergärten Arche Noah und Storchennest eingeladen, dann sind der Johannes-Kindergarten und die Tagesstätte Lindenstraße an der Reihe. "Das ist ein tolles Angebot", lobt Dörte Bruhn, die Leiterin des Kindergartens Lindenstraße. Bevorzugt dürfen die angehenden Erstklässler in die Fluten der Wasserwelt. Mit einem Brief habe sie die Eltern über das Projekt informiert, "und nur ein Elternpaar hat abgelehnt", sagt Dörte Bruhn. Storchennest-Leiterin Sabine Reimers ist ebenfalls glücklich über die für Eltern und Kinder kostenlosen Kurse.

Willi Ruge hatte die Idee zu dem Projekt und freut sich, dass er die Stadtwerke mit ins Boot holen konnte. Die Stiftung zahlt die Taxi-Kosten, um die kleinen Schwimmer aus dem Kindergarten abzuholen und wieder zurückzubringen, die Stadtwerke spendieren den Eintritt und den Kursus. "Künftig fahren die Stadtwerke die Kinder", sagt Kristian Esch. Der Aufsichtsratsvorsitzende des regionalen Energieversorgers berichtet, dass der Kauf eines Elektro-Busses geplant ist - natürlich nicht nur für die laufende Aktion. Geschäftsführer Stefan Vergo und ein Kollege sind dabei, die erforderliche Beförderungs-Lizenz ausgestellt zu bekommen.

Der sechsjährige Bennet, der in dieser Woche einen der Kurse in der Wasserwelt besucht hat, wird dann wohl schon schwimmen können. Doch schon jetzt ist für den Jungen klar: "Das macht Spaß."