Brunsbüttel

Hunderte protestieren gegen geplantes LNG-Terminal 

Die Polizei zieht am Sonntag ein positives Fazit des Einsatzes in Brunsbüttel. Zu den ohnehin geplanten Mahnwachen und Demonstrationen waren kurzfristig noch zwei weitere Eilversammlungen angemeldet worden.

Bei einer von ihnen handelte es sich um die Blockade des Nord-Ostsee-Kanals in Klein Westerland mit 13 Kanus beziehungsweise Kajaks. Laut Polizei waren daran 15 Personen beteiligt gewesen. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe werte die Blockade als Nötigung, so Polizeisprecher Christian Kartheus. Gegen 17 Uhr habe die Polizei die Versammlung als beendet erklärt. Gegen die Beteiligten seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sie wurden vorläufig festgenommen. In der Nacht auf Sonntag sei vor dem Dienstgebäude der Polizeidirektion Itzehoe eine Mahnwache abgehalten worden, um sich mit den Kanu- und Kajakfahrern zu solidarisieren. 

Die zweite Eilversammlung habe ebenfalls Klein Westerland betroffen, so Kartheus weiter. Die Veranstaltung auf dem Campingplatz habe nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Blockade des NOK gestanden. Sie sei ausdrücklich vom Kreis Dithmarschen genehmigt worden. 

Nach Steinwürfen auf Aktivisten am Werkstor von Yara wurde laut der Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Aufzug mit bis 900 Personen hatte sich am Sonnabend gegen 9 Uhr auf den Weg zu Yara gemacht und dort die Bahngleise blockiert. Aus dem Werk heraus waren sie mit Steinen beworfen worden. Bereits am Sonnabend hatten die Beamten nach Zeugen und Geschädigten gesucht. Von dem Vorfall kursiert ein Video in den sozialen Netzwerken. Die Polizeidirektion Itzehoe bittet die Geschädigten sowie Zeugen dieser Steinwürfe, sich bei der Bezirkskriminalinspektion Itzehoe unter 04821/602-0 zu melden und Angaben zu dem Vorfall zu machen.

Laut des Unternehmens Yara handelte es sich bei dem Ganzen um das „individuelle Fehlverhalten eines einzelnen Mitarbeiters eines externen Dienstleisters. Er sei freigestellt worden. „Das Verhalten dieses externen Mitarbeiters, so wie es in dem Video zu sehen war, entspricht in keiner Weise den Werten und Richtlinien unseres Unternehmens“, so Juliane Burde von Yara. „Ob und in wieweit das Konsequenzen für die künftige Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma haben wird, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt evaluieren.“

Aus Sicht der Polizei kam es bislang - abgesehen davon - nicht zu größeren Auseinandersetzungen. „Die Proteste verliefen in der Gesamtheit vielfältig und friedlich“, so Kartheus. 

Seit Donnerstag waren rund 2000 überwiegend junge Leute angereist und hatten am Bürgerpark im Zentrum der Stadt ein Zeltlager eingerichtet. Unterstützt wird „Ende Gelände“ im Widerstand gegen die Anlage von der Deutschen Umwelthilfe und dem örtlichen „Klimabündnis gegen LNG“. 

Die Polizei ist mit mehreren Hundert Beamten in der Stadt präsent. Aus ihrer Sicht verliefen auch Freitag sowie die Nacht auf Sonnabend ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. 

Am Sonnabend gab es mehrere Versammlungen und Mahnwachen. Letztere hätten mit geringer Teilnehmerzahl stattgefunden, so Kartheus. 

Gegen 10 Uhr hätten sich am Sonnabend außerdem gut 500 Personen zum Holstendamm begeben und vor dem Gelände von Yara demonstriert. „Diese wurde gegen 20.20 Uhr vom Versammlungsleiter für beendet erklärt.“ Anschließend seien Gleise im Bereich Josenbuger Straße / Blangenmoorer Straße blockiert worden.

Ein weiterer Aufzug mit etwa 300 Personen blockierte zudem Gleise vor dem Firmengelände von Sasol. „Trotz erster Abwanderungstendenzen blockierten ca. 180 Personen die Gleise in der Fritz-Staiger-Straße“, so der Polizeisprecher. Gut 100 Personen nächtigten von Sonnabend auf Sonntag im dortigen Gleisbett. „Bahnverkehr fand an diesem Wochenende allerdings nicht statt.“

Die Lage sei während der gesamten Zeit ruhig gewesen, sagt auch eine Sprecherin von Sasol. „Gegen 11 Uhr am Sonntagmorgen haben die Demonstrierenden die Blockade unserer Bahngleise aufgelöst und die Anlage friedlich und geordnet verlassen.“

250 Personen blockierten außerdem am Sonnabend gegen 19.20 Uhr die Landesstraße 276, teilt die Polizei mit. „Die Polizei wird die friedliche Ausübung des Grundrechtes auf Versammlungsfreiheit gewährleisten“, so ein Sprecher bereits am Freitag. In möglichen Konfliktsituationen wolle man „angemessen handeln und Lösungen mit den Demonstrierenden vor Ort suchen“. Beim Vorliegen erheblicher Straftaten oder unmittelbarer Gefahren für Leib, Leben oder hochwertiger Sachgüter werde nach Beurteilung im Einzelfall aber auch konsequent und schnell eingeschritten. Gegen zwei Tatverdächtige, so die Polizei, werde wegen Widerstandes gegen Polizeibeamten ermittelt.  

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