Heide

Geheimsache Neubau

Der Kreis plant schon lange, das Kreishaus zu modernisieren, doch zuletzt herrschte Stille zum Thema. Nun soll am Donnerstag voraussichtlich die Entscheidung für einen Neubau fallen. Angesichts der millionenschweren Investition ein bemerkenswerter Vorgang, denn ein breiter öffentlicher Austausch seitens der Entscheidungsträger blieb aus.

Der Blick auf den finanziellen Rahmen ist eindeutig: 85,5 Millionen Euro schlägt 96,4 Millionen Euro. Auf diese Summen schätzt das Architektenbüro Drees und Sommer die Kosten zum einen für einen Neubau einer Verwaltung auf der grünen Wiese und zum anderen eine Sanierung des denkmalgeschützten Kreishauses mit einem zusätzlichen Anbau ein. Das Büro war mit dem Herausfinden notwendiger Standards und dem Aufstellen eines Raum- und Flächenprogramms beauftragt. Laut Architekten ist eine Sanierung ab einem Investitionswert von 80 Prozent der Kosten, die in einen Neubau gesteckt würden, unwirtschaftlich. Beim Kreishaus handelt es sich um 110 Prozent.

Abseits der rein wirtschaftlichen Überlegung gibt es weitere Punkte, die eine Sanierung wie eine schlechtere Lösung erscheinen lassen. Da wäre vor allem der Raumbedarf. Die Verwaltung platzt aus allen Nähten. Deswegen arbeiten neben den aus fachlichen Gründen ausgegliederten Abteilungen – hierzu zählt das Gesundheitsamt im WKK – Mitarbeiter im Büropark Westküste. Die Architekten rechnen mit einem Bedarf für 600 Mitarbeiter. 11.000 Quadratmeter seien notwendig. Das heißt, bei einer Sanierung müsste ein Anbau mit 6500 Quadratmeter Fläche hinzukommen. Öffentliche und interne Bereiche müssten schon aus Sicherheitsaspekten stärker getrennt werden, es bräuchte verschiedene Bürokonzepte vom Einzel- bis zum Großraumbüro, für eine Barrierefreiheit müsste zudem einiges gemacht werden. Doch aufgrund der Statik in der besonderen Architektur an der Stettiner Straße könnten Wände nicht ohne Weiteres versetzt werden, eine Sanierung stößt bei den Anforderungen an ihre Grenzen.

Sanierungsnotwendigkeit

Dass etwas getan werden muss, daran besteht unter Verwaltung, Politik und Architekten kein Zweifel, auch wenn sich einige Politiker auf der Straße anhörten, dass das Gebäude noch gut wirke. „In den Büros der Südseite werden Sie im Sommer lebendig gegrillt. Im Herbst und Winter zieht es da heftig rein“, nennt der Fraktionsvorsitzende der WND, Andy Bruhn, ein Beispiel des Zustands, den Besucher nicht wahrnehmen. Die Aufzugschächte des achtstöckigen Gebäudes seien für Rollstühle zu eng und könnten nicht verändert werden.

Die Vorlage für den am morgigen Donnerstag zu treffenden Beschluss spricht von einem „erheblichen“ Bedarf, den die Architekten ausgemacht hätten. Dieser umfasse Dämmung, Fenstern, Lüftung, Heizung, Brandschutz, Schadstoffsanierung und Sanitäranlagen.

Votum der Politik eindeutig

Angesichts der Zahlen und der besseren Entfaltungsmöglichkeiten mit einem Haus auf grüner Wiese sprechen sich alle Fraktionen für den Neubau aus. Bei einer Sanierung könne es zudem böse Überraschungen geben, etwa durch nicht vermutetes Asbest, merkt der CDU-Fraktionsvorsitzende Christian Petersen an. Außerdem müsse dann vermutlich in 40 Jahren erneut saniert werden – wenn das dann überhaupt noch möglich wäre. Die Unwägbarkeiten plus der höhere Preis sprächen gegen das Altgebäude. „Wir verlangen von Bürgern, dass sie Energie sparen und kämen selbst nicht dazu“, nennt er ein weiteres Manko an der Sanierung. Denn laut Architekten würden die Einsparungen durch einen erhöhten Stromverbrauch gefressen. „Unsere große Sorge ist, dass beim Kreishaus viel Geld versenkt wird und viele Dinge dann nicht so zu bauen sind, wie es gewünscht ist“, sagt FDP-Fraktionschefin Veronika Kolb und versichert: „Wir haben das Kreishaus nicht schnell aufgegeben.“

Obwohl Udo Herbst im gemeinsamen Haupt- und Finanzausschuss für die AfD zugestimmt hat, hat im Nachgang Fraktionsvorsitzender Mario Reschke angekündigt, sich im Kreistag zu enthalten. Der traditionelle Charakter einer Altimmobilie sei nie wieder herzustellen und die Kosten für einen „Prunkbau“ unangemessen hoch. Deshalb werde er sich enthalten. Michael Schilke (Die Linke) bemängelt trotz seiner Zustimmung die entstehende Flächenkonkurrenz, während Heide dringend neuen Wohnraum brauche. Christian Petersen äußert, dass es Überlegungen gebe, den insbesondere geschützten Kreistagssitzungssaal samt Vertäfelung in einem neuen Gebäude zu übernehmen.

Kostensteigerungen

Dass die 85,5 Millionen Euro für den Neubau ein erster Aufschlag für die Diskussion ist, der Preis aber noch nach oben steigt, ist für viele Politiker klar. Zum einen erwähnt das Planungsbüro, dass eingeplante fünf Millionen Euro für Möbel ebenso wenig einberechnet sind wie die Erschließungskosten für ein Grundstück. Davon abgesehen rechnen einige Kreistagsabgeordnete mit Preissteigerungen im Lauf der Jahre. Die allgemeine Rate sei zwar bis 2025 einberechnet. Aber weder der Krieg in der Ukraine noch die weitere Entwicklung nach dem Jahr, in dem voraussichtlich noch kein Spaten in die Erde gesetzt wird, sind eingepreist. „Wir rechnen damit, dass die Kosten nach oben gehen“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Jörg-Uwe Halusa. Viele Politiker schließen sich dem an. Reschke schätzt eine Summe von 150 Millionen Euro.

Kreistag fällt Entscheidung

Den offiziellen Beschluss, das Kreishaus neu zu bauen, fällt der Kreistag voraussichtlich während seiner Sitzung am Donnerstag im Watt’n Hus in Büsum. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr.

Zeitplan

Mit dem Beschluss, neu zu bauen, schließen Politik und Verwaltung die erste von drei Projektphasen die Konzeption, ab, die mit den Anfängen der Diskussion um eine Erneuerung des Kreishauses 2012 begonnen hatte. Im April 2019 hatte der Kreistag das konkrete Verfahren in Gang gesetzt, 17 Monate später wurde das Architekturbüro beauftragt, Bedarfe an eine Verwaltung und einen damit verbundenen Raum- und Flächenplan zu erstellen. Seit Ende Januar betrachtet die Verwaltung die erste Phase als „vorläufig abgeschlossen“. Für die Projektleitung unter Drees und Sommer sind rund 297.000 Euro Kosten entstanden.

Es folgen Planungs- und Realisierungsphase. Doch gerade die Planung wird sich durch das Vorhaben, neu zu bauen, noch in die Länge ziehen. Denn bevor überhaupt ein Architektenwettbewerb auf den Weg gebracht werden kann, muss ein Grundstück gefunden werden. Eventuell muss dafür noch Baurecht geschaffen werden. Allein dieser Verwaltungsakt, der auf Gemeinde- beziehungsweise Stadtebene zu erledigen wäre, kann sich bis zu einem Jahr hinziehen. Der für die Sanierung erstellte Plan, der auch schon einen dreimonatigen Verzug aufweist, rechnete mit einem Baubeginn Ende 2025 und einem Wiedereinzug im zweiten Quartal 2028. Zumindest die Planungsphase wird sich nun länger gestalten als ursprünglich geplant.

Standortfragen

Wo kann der Kreis bauen? Diese Frage zu klären, ist die nächste Aufgabe für die Verwaltung. Laut Architekturbüro braucht es rund zwei Hektar Grundfläche. Das Grundstück soll „im Bereich der Stadt Heide, vorzugsweise in Innenstadtnähe“ liegen. Es solle zentral nicht allein für die Heider, sondern für die Dithmarscher liegen, so mehrere Fraktionsvorsitzende. Das beinhalte, dass die Verwaltung eine gute Anbindung an den ÖPNV habe. Konkrete Optionen gebe es noch nicht, teilt die Verwaltung mit.

Michael Schilke (Die Linke) und Kerstin Hansen (Bündnis 90/Die Grünen) bringen erneut die 2018 ad acta gelegte Idee eines gemeinsamen Dienstleistungszentrums mit der Stadt Heide ins Spiel. „Unser Traum ist das immer noch“, sagt Schilke. „Der Zug ist abgefahren“, sagt hingegen Halusa.

Optimismus bei Nachnutzung

Andy Bruhn kritisiert frei heraus: „Ich habe die Diskussion zur Frage, was mit dem alten Haus passiert, vermisst.“ Das Problem, dass das Gebäude saniert werden muss, verschiebt sich und dürfte es erschweren, einen Käufer zu finden. Ein gemeinsames Dienstleistungszentrum von Kreis und Stadt Heide wurde begraben, weil ein Investor für die Stettiner Straße abgesprungen war. „Wir stellen uns das ganz schwierig vor“, sagt Bruhn über eine Nachnutzung.

Für die UWD hat Michael Potthast bereits eine konkrete Idee hervorgebracht: Die Stadt Heide könnte in das Kreishaus ziehen. Die Stadt bräuchte den mit 16 Millionen Euro berechneten Anbau wohl nicht. Aber es stellt sich noch die Frage, ob die Heider Ratsleute einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für ein mehr als 50 Jahre altes Gebäude ausgeben wollen.

Angesichts der Ansiedlungspläne der Firma Northvolt und des zu erwartenden wirtschaftlichen Schwungs für Dithmarschen gehen andere Politiker davon aus, dass das Haus gut für Bürogemeinschaften genutzt werden kann. „Ich glaube, dass es Interessenten geben wird“, sagt Petersen. Ein Optimismus, den Kolb und Hansen teilen. Das Telekomgebäude, das jetzt – unter anderem mit Büros für Kreismitarbeiter – ausgelastet ist, sei auch sanierungsbedürftig gewesen und könne sich heute vor Anfragen kaum retten, sagt Kolb, und Halusa versichert: „Wir werden keine Bauruine produzieren.“

Die Verwaltung wird mit dem Beschluss am morgigen Donnerstag beauftragt werden, ein Interessenbekundungsverfahren „zu gegebener Zeit“ einzuleiten. Nach eigenen Angaben werde das erst sein, wenn der Bauantrag für den Neubau genehmigt ist, weil erst dann ein Umzug zuverlässig prognostiziert werden könne.

Hinter verschlossenen Türen

Lange kam vom Kreis nichts zum Thema Kreishaussanierung. Jetzt liegen Zahlen auf dem Tisch und gleich der Beschluss zum Neubau. Ein breiter öffentlicher Austausch von Argumenten seitens Entscheidungsträgern erfolgte nicht.

Von Burkhard Büsing

Es sind nicht einmal Vertreter aller Fraktionen, die sich während der Sitzung äußern- der einzigen, bei der das einzige Mal vor dem endgültigen Beschluss über die neue, offiziell erstmals auf dem Tisch liegende Option, ein neues Kreishaus zu bauen, diskutiert wird. Bei einer Abstimmung über mehr als 85,5 Millionen Euro sollte man meinen, dass es intensive Abwägungen gibt – zumal der bislang öffentlich gemachte Stand noch bei 37 Millionen Euro lag.

Doch bei Politik und Verwaltung gab es während der Sitzung des Haupt- und des Finanzausschusses offensichtlich keinen Grund für einen langen Meinungsaustausch. Es ist Freitagnachmittag, die Zahlen liegen seit Februar vor, Verwaltung und Politik haben es vorgezogen, die Öffentlichkeit nicht an der Willensbildung teilhaben zu lassen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg-Uwe Halusa lobt nun sogar: „Es ist keine Entscheidung, die hier flott mit leichter Hand gefällt wird, sondern eine wohlüberlegte, wohlvorbereitete und mühevoll erarbeitete Entscheidung.“ Damit meint er zum einen die jahrelange Diskussion im Allgemeinen, aber auch die Monate seit im Februar eine monströse Kalkulation zur Sanierung des Kreishauses plus Anbau die Pläne noch einmal ins Wanken gebracht haben. Seitdem hat sich der Kreis der Öffentlichkeit, auch Presseanfragen unserer Zeitung zu dem Thema, mehrfach verweigert.

Die Geheimhaltung schien den Eingeweihten dermaßen wichtig, dass der Kreis wider besseren und genaueren Wissens öffentlich mit falschen Zahlen arbeitete. Als die Verwaltung dem Kreistag am 2. März eine Prioritätenliste für die laufenden Bauprojekte zur Abstimmung vorlegte, war noch von 37 Millionen Euro die Rede. Zwar stand dort der Vermerk, dass es sich die Summe deutlich erhöhen würde. Doch dass ein neuer Wert für die Sanierung noch ermittelt würde, wie die Verwaltung angab, stimmte zu diesem Zeitpunkt nicht. Denn da war im Kreishaus bereits seit mindestens 20 Tagen klar: Eine Sanierung mit Anbau würde laut beauftragtem Architekturbüro mehr als 96 Millionen Euro verschlingen. Auch die Kosten für einen Neubau wurden bereits zum 10. Februar präsentiert. Doch außerhalb von Politik und Verwaltung sollte das der Steuerzahler, der letztlich die Rechnung begleicht, offenbar nicht wissen.

Während der Sitzung am Freitag meldet sich Kreispräsidentin Ute Borwieck-Dethlefs (CDU) zwischen dem Reigen der Fraktionsvorsitzenden mit einer inhaltlichen Frage. Damit stört sie das Herunterbeten der wichtigsten Kernargumente, eine Pflichtaufgabe der Fraktionschefs, nachdem die eigentlichen Argumente längst ausgetauscht sind. Dass jemand in dem Ritual noch etwas zur Sache hat, stört. Der Leitende Kreisverwaltungsdirektor Christian Rüsen meint, er wünschte, dies wäre während des Workshops erwähnt worden. Nicht-öffentlich, versteht sich. Das meint Rüsen zwar nicht so. Er will ausdrücken, dass die Mitarbeiter des beauftragten Architekturbüros während des Workshops hätten antworten können. Doch auf den erstmals damit konfrontierten Zuhörer kann die Reaktion befremdlich wirken. Es passt genauso ins Bild wie die leicht unsichere Anmerkung Borwieck-Dethlefs: „Ich weiß gar nicht, ob hier noch der Raum dafür ist.“

Ist es nicht, denn zum Austausch hatte Halusa bereits im April eingeladen – „alle Fraktionen außer eine“. Damit meint er die AfD. Insgesamt berieten sich CDU, SPD, UWD und WND. „Wir haben unheimlich diskutiert und waren ziemlich lange da“, berichtet WND-Vorsitzender Andy Bruhn von dem Treffen. Eine ausführliche und intensive Diskussion bescheinigt auch Veronika Kolb (FDP) der internen Besprechung, bei der die Entscheidung gefallen zu sein scheint. Die Debatten seien bewusst im Hintergrund geführt worden, „damit das in der Öffentlichkeit nicht so hochkocht“, sagt Christian Petersen (CDU). Es habe durch eine öffentliche Debatte keine Unruhe bei den Verwaltungsmitarbeitern aufkommen sollen.

Am Donnerstag fällt nun die endgültige Entscheidung für den Neubau – für Verwaltung und Politik vier Monate, nachdem der Gedanke dazu aufkam, für alle anderen 133.000 Einwohner nach sechs Tagen.

KOMMENTAR

Der falsche Weg zur richtigen Entscheidung

Von Burkhard Büsing

Sie machen es sich leicht, obwohl sie das Gegenteil behaupten: Wer über 85,5 Millionen Euro Steuergeld bestimmt – wissend, dass Preissteigerungen das Projekt vermutlich auf mehr als 100 Millionen Euro anschwellen lassen – und die Öffentlichkeit erst informiert, wenn die Diskussion schon abgeschlossen ist, spielt mit dem Vertrauen der Bevölkerung und sorgt für Politikverdruss. Dass der Kreis dabei sogar in öffentlichen Vorlagen wissentlich in die Irre führt und somit die Bevölkerung aus der Willensbildung ausschließt, ist ein Unding. Diesen Vorwurf müssen sich sowohl Verwaltung als auch die Politik nun gefallen lassen.

Zwar gibt es gute Gründe, mal ein oder zwei Gedanken in Ruhe zu formulieren, intern etwas vorzubereiten. Auch auf Bundes- und Landesebene sind Fraktionssitzungen, zum Teil auch interfraktionelle Abstimmungen, nicht ausnahmslos öffentlich. Der Unterschied zum jetzigen Vorgehen des Kreises liegt allerdings darin, dass meist kurz danach öffentliche Erklärungen abgegeben werden, von der Veröffentlichung der Idee bis zum Beschluss viel Zeit vergeht. Eine komplette Debatte am Bürger vorbeizuführen, die wirklichen Diskussionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen und bei Anfragen abzublocken, ist schlichtweg falsch.

Das demokratische Mitwirkungsrecht der Wähler ist nicht auf einen Tag in vier oder fünf Jahren beschränkt – nicht auf Bundesebene, nicht im Land und schon gar nicht im Kommunalen. Durch die Teilhabe an öffentlichen Diskussionen können Einwohner auf Politiker einwirken, Argumente während langer Entscheidungswege eventuell zu überdenken. Es mag unbequem sein, wenn ehrenamtliche Kreispolitiker auf der Straße angesprochen werden. Genau diese Umbequemlichkeiten sind aber unter anderem wichtig, um eine öffentliche Kontrollfunktion zu erhalten. Frühzeitiges Informieren gehört zum demokratischen Willensbildungsprozess, in den nicht nur Entscheidungsträger gehören. Die meisten Fraktionen haben diesen demokratischen Prozess beim Thema Kreishausneubau ausgehöhlt. Geblieben ist nur ein Theaterstück, das rechtlich gerade noch sauber sein mag. Eine Schmierenkomödie bleibt es dennoch.

Dabei ist gegen die sachliche Entscheidung nicht einmal etwas einzuwenden. Klar, ein modernes Arbeitsgebäude für 600 Mitarbeiter zu bauen, obwohl ein anderes, scheinbar attraktives Gebäude zur Verfügung steht, muss erst einmal vermittelt werden. Doch bei allem Charme des Kreishauses – es ist und bleibt ein Sanierungsfall. Für andere Nutzer mögen Auflagen geringer sein. Doch auch sie werden hohe Millionenbeträge in die Hand nehmen müssen. Und zwar deutlich mehr Geld als in das ehemalige Telekomgebäude gesteckt wurde, weshalb ein Vergleich stark hinkt. Bei den Mängeln im Kreishaus fällt es schwer, den Optimismus einiger Kreistagsabgeordneter zu teilen, dass eine Nachnutzung kein Problem sei. Die Kreispolitik steht nun in der Pflicht, dass das Gebäude nicht zur Ruine, verramscht und eventuell sogar kraft eigener Entscheidung abgerissen wird.

Anforderungen an eine moderne Verwaltung erfüllt das Kreishaus jedenfalls nicht, und auch finanziell spricht alles für einen Neubau und gegen die Sanierung. Es scheint ja auch so, dass sich Verwaltung und Politik die Zeit genommen haben, die Argumente sorgfältig abzuwägen, wenn auch in falscher Form. Von der neuerlichen Wendung einmal abgesehen, währt die Debatte seit nun zehn Jahren, die Situation für die Mitarbeiter wird nicht besser. Sollten sich Stadt und Kreis tatsächlich nun erneut für ein Dienstleistungszentrum an den Tisch setzen wollen, muss es einen festgelegten Punkt für einen abschließenden Beschluss geben, damit nicht noch mehr Zeit verrinnt. Bis es tatsächlich ein modernes Kreishaus gibt, werden ohnehin noch einige Jahre vergehen. Gerade Verwaltungsmitarbeiter sollten Verständnis für die lange Planungsdauer haben. Für Zeitverschwendung aber nicht.

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