Marktbummel

Beliebt in der kalten Jahreszeit: Feuerzangenbowle

 Wenn denn der Stress mit dem Geschenkeauspacken vorbei ist, das Festessen verspeist ist, wenn es also gemütlich wird, dann passt dieses einmalige Getränk, und um es vorweg zu nehmen, das ist nichts für Kinder, denn ohne Alkohol funktioniert es nicht. Allein, die Zubereitung erzeugt eine warme, feierliche, zauberhafte Atmosphäre. Auch an Silvester ist diese Art der Getränkezubereitung eine lauschige Angelegenheit: Feuerzangenbowle.

Es gibt viele Rezepte, und aus der Feuerzange längst vergangener Tage ist ein schlichtes Metallgestell geworden, das den Zuckerhut über dem Topf aufnehmen soll. Früher hat man den Zuckerhut mit einer Zange über den Topf gehalten, wie man ihn von einem Grillbesteck her kennt. Daher stammt der Name. Mit Bowle im engeren Sinne hat das allerdings nichts zu tun. Unter einer Bowle versteht man ein kaltes aromatisches Mischgetränk meistens auf der Grundlage von Weißwein und Sekt, dem Früchte zugefügt werden. Da diese Art Getränk bei geselligen Anlässen in einer kugelartigen Schüssel serviert wurde, wurde daraus aus dem englischen Wort für die Schüssel, Bowl, das Wort Bowle abgeleitet. Feuerzangenbowle ist eher eine spezielle Art Glühwein, mehr noch: eine heiße und feurige Variante von Sangria. Dafür braucht man einen großen Topf, ein Rechaud und eine Feuerzange, also eine Vorrichtung, um einen Zuckerhut über dem Topf zu halten. Der Zuckerhut ist ein aus Zucker gepresster Kegel, der dem Hausberg von Rio de Janeiro nachempfunden ist, also eine Art Würfelzucker in Kegelform.

Man erhitzt in dem Topf zwei Liter trockenen, guten Rotwein und würzt ihn mit einer Zimtstange und zwei, drei Gewürznelken. Außerdem gibt man Saft und Schale von je einer unbehandelten Zitrone und einer unbehandelten Orange dazu. Der Siedepunkt von Ethanol, also Alkohol, liegt bei 78,37 Grad. Deshalb sollte das Getränk nicht viel heißer werden. Dann stellt man den Topf auf ein Rechaud, legt den Zuckerhut auf dem Gestell auf den Rand und tränkt ihn ein wenig mit hochprozentigem Rum, je höher, desto besser.

Man gibt etwas von dem Rum in eine Kelle und erhitzt ihn. Dann steckt man ihn an und gießt den brennenden Rum über den Zuckerhut. Jetzt sollte der Zuckerhut in Flammen stehen und zu knistern beginnen. Man wartet etwas ab, wie sich das Feuer entwickelt. Jeweils mit der Kelle gießt man nach und nach weiteren Rum, am besten mindestens 54-prozentigen, über den Zuckerhut. Es geht darum, den Zucker nicht nur abzuschmelzen, sondern bei hohen Temperaturen karamellisieren zu lassen. Das führt wiederum zu Erscheinungen von Irrlichtern auf der Oberfläche, was den Prozess so spannend macht. Tatsächlich verbrennt nur verdampfender Alkohol. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis der Zuckerhut nahezu vollständig karamellisiert und aufgelöst ist. Das dauert vielleicht eine Viertelstunde oder eine halbe Stunde, ist aber immer wieder ein besonderes Erlebnis.

 Und wenn dann die Teilnehmer an der Runde das Ergebnis verkosten, in hitzebeständigen Gläsern oder Tassen, kommt unwillkürlich eine frohe Stimmung auf. Feuerzangenbowle schmeckt verdammt gut.