Marktbummel

Bescheidenheit: Der Butt

Die Geschichte vom Fischer und seiner Frau ist ja bekannt, letztendlich führt sie zum folgenden Rezept. Ein Ostseebutt ist zwar nicht gerade kulinarische Höchstform, aber darum geht es am Ende im Märchen: Man muss auch mal bescheiden sein dürfen. Ostseebutt oder Struffbutt könnte ja auch die Vorlage sein für den Roman von Günter Grass, der das Märchen aufgreift und darüber eine Menschheitsgeschichte von der Jungsteinzeit bis zu den Streiks auf der Danziger Werft ausbreitet. Die Ostsee ist sozusagen auch die Heimat von Günter Grass.

 Zurück zum Märchen: Der Fischer fängt einen Butt, der spricht und sagt, dass er ein verwunschener Prinz sei, da lässt er den Fisch wieder frei. Anstatt die Begegnung für sich zu behalten, erzählt er seiner Frau davon, die ihn prompt losschickt, um den Butt um einen Wunsch zu bitten. Widerwillig macht er das und tatsächlich erfüllt der Butt jeden Wunsch seiner Frau. Erst gibt es ein größeres Haus, dann ein Schloss, dann sind sie König, Kaiser und Papst. Aber als die Frau wünscht wie Gott zu sein, macht der Butt alles rückgängig. Sie finden sich in ihrem alten Pisspott wieder.

Die Moral von der Geschichte ist doch, dass man nicht größenwahnsinnig werden soll, sich mit dem zufrieden geben soll, was man hat. Und so ist es mit dem Butt. Er ist ein guter Fisch für die Küche. In der Regel redet er auch nicht. Man lässt ihn vom Fischhändler fertig machen und bereitet ihn zu wie Scholle. Man mariniert den küchenfertigen Butt in Zitronensaft, salzt und pfeffert ihn, wälzt ihn in Mehl und brät ihn in heißem Öl von beiden Seiten je vier, fünf Minuten. Schon ist er fertig. Dazu passen heiße Kartoffeln und grüner Salat. Geschmackvoller wird der Braten, wenn man zuvor mageren Speck in kleinen Würfeln in der Pfanne scharf anbrät und später hinzufügt.

Butt, manche reden auch von einer Flunder, gehört zu der großen eigentümlichen Familie der Plattfische, wozu auch Scholle, Steinbutt, Rot- und Seezunge gehören. Das Eigentümliche dieser Fischarten ist, dass sie sich beim Wachstum auf die Seite legen. Das heißt, die rechte Seite des Fisches wird zur Oberseite, die linke zur Unterseite oder umgekehrt, das jeweils unten liegende Auge wächst mit auf die Oberseite. Daher rührt es, dass der Fisch sein unsymmetrisches Aussehen hat.

 Die Unterseite ist in der Regel hell, weshalb er vom Meeresgrund her betrachtet gegen die Meeresoberfläche unauffällig bleibt. Normalerweise ist er aber so kaum zu sehen, da er sich bevorzugt am Meeresgrund aufhält, wo er genauso schwierig zu erkennen ist, weil die Oberseite wiederum die gleiche Farbe hat wie der Meeresgrund. Außerdem buddelt er sich gerne ein, so dass ohnedies nur noch das asymmetrische Augenpaar hervorlugt. Wenn dann allerdings ein Leckerbissen, etwa ein Wattwurm, davor auftaucht, schnappt er auch mal zu, was ihm zum Verhängnis werden kann, wenn in dem Wattwurm ein Angelhaken verborgen ist. So könnte der Fischer aus dem Märchen den Butt an Land gezogen haben.