Heide

Das Beste zum Schluss: Kaffee

Kaffee ist das Getränk, dass dieser Tage am allermeisten in aller Munde ist. Vor allem in den sozialen Medien wird nur noch Kaffee getrunken. In einigen Facebook-Gruppen werden die lustigsten Bilder von Kaffeetassen und dramatische Kaffeetrinkerszenen gepostet, in der Regel als Sinnbild des täglichen Wachmachers und notwendigen Antidepressivums gegen den Alltagsstress, was freilich maßlos übertrieben ist.

Nein, die Kaffeekultur hat sich hierzulande zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens etabliert, am Arbeitsplatz, am Frühstückstisch, nicht zuletzt auf dem Wochenmarkt. Kaffee stammt ursprünglich aus Arabien und Afrika und ist maßgeblich durch das osmanische Reich nach Europa gelangt, mit ein Grund dafür, dass ausgerechnet Wien bekanntermaßen für seine Kaffeehauskultur berühmt geworden ist, ob mit oder ohne Obers.

In den verschiedenen Regionen Europas haben sich bestimmte Varianten der Kaffeezubereitung durchgesetzt, vom griechischen Mokka über den italienischen Espresso bis zum traditionellen Filterkaffee. Dank der vielfältigen Angebote an selbstreinigenden Vollautomaten für den Hausgebrauch ist fast jede Küche mit so einem Kraftwerk ausgestattet, das auf Knopfdruck den gewünschten Kaffee zubereitet. Früher haben allein die lauten Klack-klack-Geräusche der Baristas in Italien, aber auch in Frankreich oder Spanien mein Herz höher schlagen lassen, wenn sie den frisch gemahlenen Kaffee in den Siebträger gefüllt haben, ihn in die riesige Maschine eingerastet und gegebenenfalls während der Zubereitung noch in einem Kännchen mit laut schnaubender Dampfdüse Milch aufgeschäumt haben, so dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte.

In der Bahnhofsbar von Pompeji bei Neapel gebe es den besten Kaffee der Welt, habe ich eine italienische Reiseleiterin noch im Ohr. In der Innenstadt von Madrid habe ich mal einen Cafè-Betreiber beobachtet, wie er kurz vor 9 Uhr auf dem Bartresen Hunderte Tassen und Untertassen mit Zuckerwürfeln vorbereitete für die bevorstehende viertelstündige Kaffeepause der in der Umgebung Beschäftigten. Kaffee ist in aller Munde, auch bei der Konzeption dieser Kolumne Anfang 2002 spielte Kaffee eine Rolle. Das Foto mit der Kaffeetasse sollte sinnbildlich einen Inhalt des Begriffs Marktbummel transportieren, nämlich dass der Einkauf auf dem Wochenmarkt mehr beinhaltet als nur einzukaufen.

Dass das coronabedingt nun mehr oder weniger zum Erliegen gekommen ist, macht es für mich einerseits schwieriger, andererseits aber auch leichter, mich nun von dieser Stelle zu verabschieden. Die Kaffeetasse ist in der Tat die originale von der ersten Stunde, damals am Stand von Horst Baumann. Der Abschied liegt schlicht darin begründet, dass ich nun in Urlaub gehe, in Urlaub für immer.

Bleiben Sie gesund! Un Caffé doppio, also einen doppelten Kaffee in Italien, un café au lait, also einen Milchkaffee in Frankreich (hört sich an wie café olé), oder einen caffé correto, wie in Italien ein etwas verfeinerter Kaffee genannt wird, in der Regel mit einem Schuss Grappa: Ich habe immer schon gerne Kaffee getrunken, in der Regel schwarz. Aber auch der Pharisäer ist mir nicht fremd, eine Erfindung aus Norddeutschland, aus Nordstrand, in der heimlich Rum in den Kaffee getan wird und dann Schlagsahne darauf verhindern soll, dass der Pastor sofort riecht, worum es da geht. Schmeckt auch und zwar besser als ohne Sahne! Mir sei die Gelegenheit gegönnt, wenn es denn wieder geht, einen Kaffee am Bahnhof von Pompeji zu trinken. Arrividerci!

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