Marktbummel

Der Fisch, der schreiben kann

Tintenfische sind zwar keine Fische, aber vor allem als Weichtiere gehören sie zu den intelligentesten Wesen des gesamten Tierreichs. Allein ihr Name suggeriert, dass sie schreiben, mindestens aber malen können, denn sie haben immer Tinte dabei. Sie können zwar nicht wirklich schreiben, also etwa ihren Namen, aber auf der Flucht können sie sich sozusagen selbst ins Wasser malen, so dass der Angreifer gierig nach ihnen schnappt, aber eben nur einen symbolischen Tintenfisch ins Maul kriegt, einen Haufen Tinte eben. Der Tintenfisch selbst hat derweil die Gelegenheit genutzt, sich pfeilschnell in Sicherheit zu bringen.

 Es macht auch Sinn, dass Tintenfische nicht wirklich schreiben können. Würden sie nämlich im Gefahrenfall ihren Namen ins Wasser schreiben, würde der Angreifer, ein Hai zum Beispiel, das nicht lesen können. Der Tintenfisch wäre leichte Beute. Dass der Tintenfisch eine begehrte Beute ist, liegt wiederum daran, dass er sich gut als Abwechslung auf dem Speiseplan macht, auch auf dem Speiseplan der Menschen.

Es gibt drei Sorten Tintenfische, die in der Küche eine Rolle spielen, die dicken Kraken oder Oktopusse mit ihren langen, kräftigen Fangarmen, die Sepien mit ihren rundlichen Körpern und kurzen Fangärmchen, und von deren Tinte der Farbton Sepia abgeleitet ist, oder umgekehrt, und die Kalmare mit ihren stromlinienförmigen Körpern und den ebenfalls kurzen Fangarmen. Kalmare haben den Vorteil, dass man ihren schlauchartigen, hohlen Körper in Ringe schneiden kann, die im Ausbackteig frittiert als Calamari alla Romana berühmt sind.

Kalmare sind relativ einfach zuzubereiten: Man fasst sie am vermeintlichen Ende, dass von der Bewegungsrichtung her betrachtet die Pfeilspitze ist, und nimmt den Kopf mit den Ärmchen in die andere Hand und zieht ihn vorsichtig heraus. Eigentlich sollten die Innereien dann mit herauskommen. Oberhalb des Kopfes mit den Kauwerkzeugen schneidet man die Fangärmchen ab. Die kann man nachher mitbraten. Kopf und Innereien schmeißt man weg, es sei denn, man braucht die Tinte, zum Beispiel zum Färben von schwarzen Nudeln.

Aus dem Tubus, also dem schlauchförmigen Körper, entfernt man noch das Skelett, das ist eine Versteifung im Rücken, die aussieht wie ein durchsichtiges Plastikteil, wie es früher zur Versteifung von Hemdkragen benutzt wurde. Das lässt sich in der Regel leicht herausziehen. Außerdem häutet man den Körper, soweit es geht, und spült ihn aus und trocknet ihn mit Küchenkrepp wieder ab. Der Tubus eignet sich hervorragend zum Füllen, aber man kann ihn genauso gut in Ringe schneiden, die man auch mal ohne Panade oder Ausbackteig braten kann, als calamari naturali.

 Dafür erhitzt man Öl in einer großen Pfanne, brät die Calamari darin an, bis sie Farbe annehmen, gibt durchgepressten Knoblauch dazu und brät die Tintenfischringe und die Ärmchen einfach weiter und lässt sie ein paar Minuten unter Rühren gar schmoren. Es kommen noch Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft dazu. Am Ende schmort man noch Stücke von gehäuteten Tomaten an. Dazu passen Baguette und grüner Salat. Der Tintenfisch hat relativ festes Fleisch, aber wie der Fisch, der kein Fisch ist, hat der Mensch dafür Kauwerkzeuge.