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Blick in die Zukunft

von Redaktion Donnerstag, 22. Februar 2018 15:32 Uhr


 

Von Dieter Kienitz

Brunsbüttel - Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien europaweit 35 Prozent betragen. Das jedoch kann nur mithilfe intelligenter Steuerungen und größerer Windenergieanlagen realisiert werden. 

Beim jüngsten Energieforum der Egeb Wirtschaftsförderung in Brunsbüttel entwarf Catrin Jung-Draschil ein Szenario von sehr großen, miteinander vernetzten Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee. „Das Umfeld der Windkraft unterliegt jedoch ständigen Veränderungen und Herausforderungen“, schränkte die Wirtschaftsingenieurin ein, die beim Energiekonzern Vattenfall für die Entwicklung der Offshore-Märkte verantwortlich ist. In technischer Hinsicht erwartet die Expertin erhebliche Sprünge von 8- auf 16-Megawatt-Anlagen im Jahr 2025; im nächsten Schritt wären dann auch 20-Megawatt-Anlagen denkbar. Die Lebensdauer der Anlagen wird auf etwa 25 Jahre geschätzt. Dabei liegen die Vorteile der Anlagen auf hoher See auf der Hand. Zum einen werden dort höhere Windgeschwindigkeiten erzielt, zum anderen weht der Wind stetig und ermöglicht so eine regelmäßige Ausbeute. Zum Vergleich: Die meisten Anlagen an Land erzeugen in der Regel nicht mehr als 3,2 Megawatt.

Hauptproblem bei der Erzeugung Erneuerbarer Energien sowohl an Land als auch im Offshore-Bereich ist der Abtransport des Stroms zu den Verbrauchern. Catrin Jung-Draschil forderte daher intelligente Lösungen, um das Problem in den Griff zu bekommen und auch um Negativpreise bei zu großer Stromproduktion zu vermeiden. Dabei verwies sie auf positive Beispiele in den Niederlanden und in Großbritannien. In Wales wurden beispielsweise Windenergieanlagen und eine großes Photovoltaik-Feld nebeneinander errichtet. Da es bei Sonnenschein zu weniger Windausbeute kommt, fallen dann die PV-Anlagen mehr ins Gewicht, während bei einer Wolkendecke zumeist mehr Wind weht und die entsprechenden Anlagen besser ausgelastet werden. Insgesamt kann mit einer relativ gleichmäßigen Stromerzeugung kalkuliert werden. „Aber eine goldene Lösung für alle Energieprobleme, auch bei den Erneuerbaren Energien, gibt es nicht“, gab die Vattenfall-Managerin zu bedenken.

In Schleswig-Holstein engagiert sich Vattenfall gemeinsam mit dem Land und weiteren Partnern in der Umrüstung von Bahnlinien, die noch nicht elektrifiziert sind. Dort werden Pilotprojekte angedacht, bei denen die Windkraft eine große Rolle spielt. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Züge mit Batterien bestückt werden oder aber die Windenergie sorgt mittels Elektrolyse für die Produktion von Wasserstoff, der dann die Loks antreibt.

Zuvor hatte Volker Jahnke von der Egeb Wirtschaftsförderung in seiner Einführung auf die wirtschaftlichen Chancen verwiesen, die weiterhin in der Windenergie liegen. Da die Akzeptanz der Anlagen an Land gesunken sei, komme künftig den Offshore-Anlagen eine wachsende Bedeutung zu, erläuterte er den etwa 50 Gästen im Besucherzentrum des Kernkraftwerks Brunsbüttel.





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