Panorama

Brandstifter in Bolivien gefährden einzigartiges Ökosystem

La Paz/Berlin (dpa) - Angesichts der verheerenden Waldbrände im Osten von Bolivien schlagen Forscher Alarm: Die häufig von Brandstiftern gelegten Feuer im Chiquitano-Wald gefährdeten ein einzigartiges Ökosystem, hieß es am Montag von der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Chiquitano sei der weltweit am besten erhaltene tropische Trockenwald und beherberge Tausende Tier- und Pflanzenarten, warnt die Gruppe um Alfredo Romero-Muñoz, der derzeit an der Humboldt-Universität forscht, in der Fachzeitschrift «Science». «Wir verlieren eine einzigartige Wildnis, deren unermesslichen Artenreichtum wir erst zu begreifen beginnen», sagte Co-Autor Martin Jansen vom Senckenberg Forschungsinstitut.

Seit Juli haben die Brände nach Angaben der Wissenschaftler 1,4 Millionen Hektar des Trockenwaldes vernichtet. Zuvor hatte die Regierung des damaligen Präsidenten Evo Morales die Brandrodung in der Region legalisiert, um neue Agrarflächen zu schaffen. «Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte Bolivien bis zum Jahr 2050 beinahe alle seine Wälder und damit eine unschätzbare Biodiversität verlieren, einschließlich solch symbolträchtiger Spezies wie Jaguar und Tapir», so Romero-Muñoz.

Wegen Manipulationsvorwürfen nach der Wahl im Oktober ist Morales mittlerweile zurückgetreten und ins Exil nach Mexiko geflohen. In ihrem offenen Brief in «Science» rufen die Forscher die Übergangsregierung in La Paz dazu auf, die Zerstörung des Trockenwaldes zu stoppen und auf eine nachhaltige Landwirtschaft in der Region zu setzen. Für die Neuwahlen bringen sich jetzt allerdings bereits Vertreter der wirtschaftsstarken Region Santa Cruz in Stellung, wo traditionell Großgrundbesitzer den Ton angeben.

Bolivien gehört dem Forscherteam zufolge zu den artenreichsten Länder der Welt. Die gegenwärtige Tendenz zur Agrarexpansion sei eine große Bedrohung - auch für die Bevölkerungsgruppen, die von dem abhängig seien, was der Wald ihnen zum Leben biete.

Tropische Trockenwälder waren in Lateinamerika einst weit verbreitet. Gerade zur Trockenzeit lassen sie sich vergleichsweise einfach durch Brandrodung beseitigen und wurden daher großflächig etwa für Agrarflächen vernichtet. Sie werden inzwischen zu den am stärksten durch menschliche Aktivitäten bedrohten Ökosystemen gerechnet.