Panorama

Tod nach mutmaßlichem Autorennen: Suche nach Fahrern

Moers (dpa) - Auf dem Asphalt sind nach dem schlimmen Unfall noch immer die Markierungen der Ermittler zu sehen. Und die Betroffenheit ist spürbar im Gespräch mit den Menschen an der Bismarckstraße in Moers.

Am Ostermontag sollen sich hier abends zwei Fahrer von PS-starken Autos ein illegales Rennen geliefert haben. Eins der beiden Autos krachte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in den Kleinwagen einer Frau, die aus einer Seitenstraße kam. Die 43 Jahre alte Fahrerin starb am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft suchte am Freitag nach zwei Tatverdächtigen.

«Es war nur eine Frage der Zeit, bis da was passiert. Ich hoffe, dass die Zwei, die dafür verantwortlich sind, auch erwischt werden», sagt Anwohner Klaus Specht am Freitag.

Zunächst hatte die Polizei die beiden Halter der beteiligten Fahrzeuge vorläufig festgenommen. «Wir wissen inzwischen, dass die Halter sehr wahrscheinlich nicht Fahrer waren», berichtete Oberstaatsanwalt Günter Neifer. Jetzt suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach zwei Verdächtigen, die als Fahrer in Betracht kommen. «Wir haben Hinweise auf die Identität, aber wir haben sie noch nicht finden können. Wir suchen sie», sagte Neifer.

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes kann ihnen nicht nur der Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung drohen, sondern möglicherweise der Vorwurf des Mordes: Wenn ein Fahrer bei einem illegalen Autorennen billigend in Kauf nehme, dass jemand zu Tode komme, sei dieser Vorwurf möglich, sagte Neifer.

Zwei Männer, die im Februar 2016 in Berlin über den Ku'damm gerast waren und einen unbeteiligten 69 Jahre alten Mann getötet hatten, waren im März 2019 erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die erste Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben.

Zu dem Fall in Moers am Niederrhein hatten Zeugen ausgesagt, dass die Fahrer der beiden schnellen, schweren Fahrzeuge richtig Gas gegeben und stark beschleunigt hätten, wie Oberstaatsanwalt Neifer berichtete. Einer der beiden soll dann auf die Gegenfahrspur der relativ schmalen Wohnstraße gefahren sein, um zu überholen.

In der Zeit habe sich die Frau aus einer Seitenstraße genähert und bog nach links ab. Von rechts soll das Auto gekommen sein. Im Kreuzungsbereich sei es zu dem am Ende tödlichen Unfall gekommen. Nun müssten weitere Untersuchungen zeigen, ob einer der beiden mutmaßlichen Raser - wie von Zeugen beobachtet - tatsächlich auf der Gegenfahrbahn fuhr, sagte der Oberstaatsanwalt.

«Es hat ganz laut geknallt. Das werde ich so schnell nicht vergessen. Ich saß hier und hab Fernsehen geguckt», erzählt Anwohnerin Hülya Duyar am Freitag. Da wusste sie noch nicht, dass die verunglückte Frau in dem Kleinwagen eine Freundin der Familie war. Auch Esra Aktas stand am Freitag noch unter dem Eindruck der schlimmen Ereignisse: Zuerst dieser Krach. Sofort habe sie den Rettungswagen gerufen.

Die Staatsanwaltschaft sprach am Freitag von «männlichen Personen», die als Tatverdächtige gesucht würden. Nach dem Unfall sollen sie sich nicht weiter um die lebensgefährlich verletzte Frau gekümmert haben: Der Unfallfahrer stieg nach Polizeiangaben aus und humpelte weg. Sein mutmaßlicher Renn-Kontrahent floh im Auto.