Panorama

Tragödie durch Blitzeinschlag: Tote in der polnischen Tatra

Zakopane (dpa) - Ein beliebter Wallfahrtsort ist im katholischen Polen zum Ort einer Tragödie geworden. Vier Menschen wurden getötet und rund 140 verletzt, als Blitze auf dem Tatra-Gipfel Giewont in ein massives Eisenkreuz und in Kletterketten aus Metall einschlugen.

Unter den Toten waren auch zwei Kinder. Das ist die Bilanz eines heftigen Unwetters vom Donnerstag, wie die Rettungskräfte am Freitag der Agentur PAP zufolge mitteilten. Einen weiteren Toten gab es auf der slowakischen Seite des Gebirges.

Die Tatra ist ein Hochgebirge im Grenzgebiet zwischen Polen und der Slowakei und ein Ausläufer der Karpaten. Die Helfer der Bergrettung waren zeitgleich mit der Suche nach zwei seit Tagen vermissten Höhlenforschern beschäftigt. Einer von ihnen konnte in der Nacht zu Freitag in der Höhle Wielka Sniezna nur noch tot gefunden werden. Auch sein Kollege sei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr am Leben, teilte ein Sprecher der Bergrettung mit.

Zeitungen in Polen sprachen angesichts der Unglücke von einem «Schwarzen Tag für die Tatra». Viele der verletzten Wanderer auf dem Giewont-Massiv erlitten schwere Verbrennungen. Drei Kinder wurden schwer verletzt und auf der Intensivstation einer Krakauer Klinik behandelt. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki eilte am Donnerstagabend in den Gebirgsort Zakopane, um den Einsatzkräften für ihre Arbeit zu danken und den Angehörigen der Opfer sein Beileid auszusprechen.

«Die Aktion geht weiter, denn wir wissen nicht, ob nicht noch irgendwo jemand in den Bergen geblieben ist», erklärte der Politiker der PiS-Partei. Mehrere Wanderer galten am Freitag noch als vermisst. Der Ferienort Zakopane rief Trauer aus und sagte alle Kultur- und Sportveranstaltungen für drei Tage ab. Ein vergleichbares Unglück gab es Medienberichten zufolge am 15. August 1939, als sechs Menschen auf der Seealmspitze (Swinica) der Hohen Tatra durch Blitzschlag getötet wurden.

Unterdessen dürfte sich die Bergung des Leichnams des toten Forschers aus der Höhle Wielka Sniezna schwierig gestalten. Die Sicherheit der rund 50 Beteiligten stehe an erster Stelle, sagte ein Sprecher der Einsatzkräfte. Bei der Rettungsaktion wurde unter anderem Sprengstoff eingesetzt, um Hindernisse zu beseitigen und Gänge passierbar zu machen.

Die Gänge des Höhlensystems, das seit 1959 erforscht wird, sind insgesamt mehr als 23 Kilometer lang und erreichen eine Tiefe von mehr als 800 Metern. Die beiden Höhlenforscher waren als Teil einer größeren Expedition unterwegs. Durch einen Wassereinbruch wurde ihnen der Weg abgeschnitten.