Kiel

Mann bleibt nach Mord an Ehefrau in Psychiatrie

Kiel (dpa/lno) - Weil er seine schlafende Frau in Groß Rönnau (Kreis Segeberg) erschlagen hat, bleibt ein 78-Jähriger in einer Psychiatrie. Das Kieler Landgericht folgte mit seinem Urteil in dem Sicherungsverfahren am Donnerstag den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. «Er war mithin sicher schuldunfähig, als er die Tat beging», sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann am Donnerstag in seiner Urteilsbegründung im Saal 132 des Landgerichts. Die achte Strafkammer war überzeugt davon, dass der langjährige Polizist seine 79 Jahre alte Frau am 26. Oktober vergangenen Jahres in Heimtücke tötete.

Mehr als 50 Jahre lang war das Paar verheiratet. Bei seiner Festnahme soll er gegenüber Polizisten im Haus des Paares gesagt haben, dass er am Morgen aus einem Traum erwacht sei und Stimmen gehört habe. Fest steht, dass er an seinem Geburtstag einen schweren Stößel aus einem Schuppen holte, ins Schlafzimmer ging, das Licht ausgeschaltet ließ und mit dem Stößel dreimal auf sein Opfer einschlug. Als seine Frau schrie, drückte er ihren Kopf auf das Bett, bis sie sich nicht mehr regte. Anschließend schlug er noch zweimal zu.

Nach der Tat wusch er sich die Hände, frühstückte und verständigte erst danach den Notruf. Laut dem im Prozess verlesenen Protokoll des Anrufs sagte er damals am Telefon: «Sie müssen mal herkommen. Ich habe meine Frau umgebracht.» Sie atme nicht mehr. Auf Nachfrage sagte er: «Die ist tot, die habe ich ja erschlagen.» Er wisse gar nicht warum.

Nach Ansicht des Gerichts fehlte dem 78-Jährigen zum Tatzeitpunkt die Unrechtseinsicht. «Was genau ihn dazu veranlasste, hat nicht geklärt werden können», sagte der Richter. Der Beschuldigte war 31 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand 2000 bei der Polizei. Er war Diensthundeführer. «Insgesamt kann man sagen, dass er ein völlig untadeliges Leben führte, von jedem Makel frei», sagte der Richter. Allerdings waren seiner Frau im vergangenen Jahr Veränderungen aufgefallen. Ihr Mann nahm acht Kilogramm ab, litt unter gedanklicher Unruhe und begab sich schließlich Monate vor der Tat in ärztliche Behandlung.

Richter Brommann sprach in seiner Urteilsbegründung von einer hirnorganischen Problematik «in Richtung eines Demenzprozesses». Zum Tatzeitpunkt habe er an einer krankhaften seelischen Störung gelitten. Der Mann sei für die Allgemeinheit vor allem nachts gefährlich und müsse deshalb in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht sein. Es sei nicht prognostizierbar, ob und wann der Mann wieder entsprechendes gewalttätiges Verhalten zeigen könnte.

Einmal pro Jahr soll künftig überprüft werden, ob von dem 78-Jährigen weiterhin Gefahr ausgeht. Der Mann ist bereits nach seiner Festnahme in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. Gegen die Entscheidung des Landgerichts vom Donnerstag kann Revision beantragt werden.