Kiel

Auf falschen Polizisten warteten schon die echten: Bewährung

Kiel (dpa/lno) - Im Prozess gegen einen falschen Polizisten hat das Kieler Amtsgericht eine Bewährungsstrafe wegen versuchten gemeinschaftlichen Betrugs verhängt. Die Angaben des Angeklagten, er habe einem Bekannten nur einen Gefallen tun wollen und sei bei der Tat selbst zum Opfer geworden, glaubten weder Staatsanwalt noch die Richter. Elf Monate Haft auf Bewährung und eine Geldbuße von 800 Euro waren am Freitag die Quittung für den Versuch, von einer alten Dame 25 000 Euro Bargeld zu ergaunern.

Die Seniorin hatte nach tagelangen Anrufen vermeintlicher Polizeibeamter nicht nur ihre Schwester und eine Nachbarin informiert, sondern auch die Polizei. Echte Beamte warteten dann schon im September 2018 in Kiel auf den Angeklagten und nahmen ihn auf frischer Tat fest. Der Umschlag, den der 30-Jährige bei der Seniorin an der Haustür gegen ein vereinbartes Passwort entgegennahm, enthielt statt Bargeld nur Papierschnitzel.

Die damals 79-Jährige war unter einer vermeintlich deutschen Telefonnummer aus einem Callcenter in der Türkei unter Druck gesetzt worden, wie der Staatsanwalt feststellte. Wie beim Trick mit falschen Polizisten üblich, behaupteten von dort aus angebliche Kriminalbeamte, sie müsse ihr Vermögen zur Sicherheit der Polizei aushändigen.

Der Angeklagte hat zwei Kinder und arbeitet im öffentlichen Nahverkehr. Er lebt nach Feststellungen des Gerichts in gesicherten Verhältnissen und ist nicht einschlägig vorbestraft - das werteten die Richter zu seinen Gunsten. Strafmildernd wirkte sich auch aus, dass das Vermögen der alten Dame nicht ernsthaft in Gefahr geriet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.