Kiel

Fischerei-Experte: Fangstopp für Dorsch überfällig

Kiel (dpa) - Die von der EU beschlossenen Einschnitte in die Ostsee-Fischerei waren aus Sicht des Fischereibiologen Rainer Froese überfällig. «Die starke Reduzierung der erlaubten Fänge vom westlichen Dorsch ist richtig, kommt allerdings zu spät», sagte der Wissenschaftler vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. «Bereits im letzten Jahr war absehbar, dass es nur noch einen Jahrgang von Dorschen gibt anstatt der üblichen zehn bis zwölf - und dass sich dieser bisher nicht erfolgreich fortgepflanzt hat.» Der letzte Jahrgang sei von 2016. Diese Tiere seien 70 bis 80 Zentimeter lang und gut genährt, aber es gebe viel zu wenige.

Nach den jüngsten Beschlüssen dürfen Fischer in der westlichen Ostsee keinen Dorsch und zumeist keinen Hering mehr gezielt fangen. Wäre die Einstellung gezielter Fänge bereits im vergangenen Jahr beschlossen worden, wie vom Geomar und von Kieler Fischern gefordert, gäbe es jetzt eine Millionen mehr Laichdorsche, und die Chancen für eine Erholung des Bestandes wären deutlich besser, erläuterte Froese. «So wie es jetzt steht, können wir nur hoffen, dass der Dorschbestand nicht bereits verloren ist.»

Die wenigen verbliebenen Dorsche müssten dringend geschützt werden. Ursache für den schlechten Zustand sei die jahrzehntelange Überfischung durch viel zu hohe erlaubte und indirekt vorgeschriebene Fangquoten, sagte Froese. «Es wurde etwa dreimal mehr herausgenommen als nachgewachsen ist.» Entsprechend sei der Bestand geschrumpft und ebenso die Fänge: von ehemals fast 50.000 Tonnen auf weniger als 500 Tonnen.

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