Berlin

Hunderte Bauern im Norden bekommen Dürrehilfen ausgezahlt

Kiel (dpa/lno) - Für 595 Agrarbetriebe in Schleswig-Holstein werden am Donnerstag Dürrehilfen für das vergangene Jahr ausgezahlt. Zusammen mit den im Dezember überwiesenen Vorschüssen in 125 Fällen summieren sich die Gelder nach Angaben des Agrarministeriums vom Mittwoch auf 16,5 Millionen Euro. Die Landwirte mussten im Dürrejahr 2018 eine extreme Situation mit teils drastischen Ernteausfällen meistern, wie Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagte.

Land und Bund hätten in höchster Not geholfen. «Diese solidarische Aktion des Steuerzahlers sollte jedoch ein Einzelfall bleiben.» Er setze sich dafür ein, dass künftig ein Teil der EU-Direktzahlungen für die Risikovorsorge reserviert wird, sagte Albrecht. So könnten sich alle Landwirte besser finanziell auf Extremwetter vorbereiten.

Dem Ministerium zufolge sind noch etwa 35 Bewilligungen und rund 150 Widersprüche abzuwickeln. Insgesamt beantragten 1031 Betriebe Dürrehilfe. Der Schwerpunkt lag im südlichen Teil des Geestrückens, während der nordöstliche Teil des Landes im Kreis Schleswig-Flensburg am wenigsten vom Dürresommer berührt war. 161 Betriebe hatten zudem einen Antrag auf vorzeitige Abschlagszahlung eingereicht. Davon wurden 125 Anträge im Umfang von 2,99 Millionen Euro bewilligt und im Dezember 2018 ausgezahlt.

Gemäß der Bund-Länder-Vereinbarung können maximal 50 Prozent des betrieblichen Dürreschadens ersetzt werden. Voraussetzung sind ein hoher Ernteschaden und der Nachweis, dass der Betrieb durch die Dürre in Existenznot geraten ist. In Schleswig-Holstein wurden zunächst rund 68 Millionen Euro an Dürreschäden von den besonders betroffenen Landwirten angemeldet.

Im Zuge einer präziseren Schätzung bei der Vervollständigung der Antragsunterlagen im Frühjahr wurde der zu berücksichtigende Schaden laut Ministerium auf 45 Millionen Euro beziffert. Im Sommer 2018 war der zu erwartende Dürreschaden auf 422 Millionen geschätzt worden. Darin seien aber auch normale negative Produktionsschwankungen enthalten gewesen, hieß es jetzt.

Der Hauptgrund für die Ablehnung von Anträgen war laut Ministerium, dass die Bedingung eines Minderertrags von mehr als 30 Prozent nicht erfüllt war. Diese Grenze sei oft nur knapp unterschritten worden. Bei einem Drittel der Betriebe seien aber auch weitere Kriterien nicht erfüllt gewesen. So hatten Bauern so viel Privatvermögen oder einen so hohen Umsatz, dass keine Dürrehilfe gewährt werden durfte.

Bund und Länder hatten angesichts der extremen Trockenheit vor einem Jahr Hilfen von jeweils bis zu 170 Millionen Euro zugesagt. Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) stufte die Ernteschäden als Ereignis «nationalen Ausmaßes» ein - und sagte erstmals seit 2003 wieder Bundeshilfen wegen einer Dürre zu. Aus Sicht des Bauernverbands in Schleswig-Holstein wurden zu komplizierte Voraussetzungen an die Dürrehilfe geknüpft.