Kiel

Kieler Minister befürchtet «gläserne Mitarbeiter»

Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Arbeitsminister Bernd Buchholz erwartet nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Arbeitszeiterfassung auch negative Wirkungen. Das Urteil aus der vergangenen Woche werde für Arbeitnehmer in Deutschland noch einen bitteren Nachgeschmack haben, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Auch wenn eine lückenlose Arbeitszeiterfassung dank moderner technischer Mittel heutzutage zweifellos möglich ist, wird dies zu einer völligen Transparenz und damit zu gläsernen Mitarbeitern führen.»

Mit dem Urteil der Luxemburger Richter gehe in Deutschland die Ära der Vertrauensarbeitszeit zu Ende, sagte Buchholz. Nach dem Urteil sollen Arbeitgeber verpflichtet werden, die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen. In Deutschland gilt eine Aufzeichnungspflicht bisher nur für Geringverdiener nach dem Mindestlohngesetz und für die im Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit genannten Branchen. Dazu gehören die Bauwirtschaft, das Gebäudereiniger-Handwerk und die Gastronomie.

«Auch wenn dieses Urteil für Spanien erging, wird es erhebliche Folgen für Unternehmen auch bei uns haben», sagte Buchholz. Er habe große Zweifel, ob sich die Gewerkschaften im Land und auch die Arbeitnehmer selbst eine solche lückenlose Kontrolle wirklich wünschen.