Schleswig-Holstein

Möllner Anschlägen - Mehr Kooperation mit Opferfamilien

Nach den tödlichen Anschlägen von Mölln vor 30 Jahren ist die Bedrohung durch rassistische Gewalt noch allgegenwärtig. Der Jahrestag soll deshalb auch ein Zeichen der Mahnung setzen.

Mölln (dpa) - Zum 30. Jahrestag der Möllner Brandanschläge haben sich Politik und Angehörige der türkischen Opferfamilien auf eine stärkere Zusammenarbeit verständigt. Künftig sollen die Familien in die Ausrichtung des Gedenkens und die Aufklärungsarbeit in Schulen einbezogen werden, sagte ein Angehöriger der Opferfamilien, Faruk Arslan, am Mittwoch. Möllns Bürgermeister Ingo Schäper versicherte, dass er in Zukunft einen Weg gehen wolle, der die Interessen der Opfer und der Gesellschaft vereine.

Vor dem Gedenken am Anschlagsort hatte bereits in Kiel der schleswig-holsteinische Landtag an die drei Todesopfer erinnert. «Wir erklären uns mit den Betroffenen von rechter und rassistischer Gewalt solidarisch», heißt es in einer Resolution, auf die sich alle fünf Fraktionen verständigt hatten. Der Landtag empfinde tiefes Mitgefühl mit den körperlich und seelisch verletzten Überlebenden sowie den Angehörigen der Opfer der Brandanschläge, die auch heute noch mit den Erinnerungen an diese Verbrechen leben müssten.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) rief dazu auf, entschieden gegen Rassismus vorzugehen. Die Tat der Rechtsextremisten sei nicht aus dem Nichts gekommen, schrieb sie auf Twitter. «Die Hetze gegen Menschen anderer Herkunft bereitete ihr den Boden.» Der Mord bleibe Mahnung, entschieden und mit Härte gegen rassistische Hetze und Gewalt vorzugehen.

In der Nacht zum 23. November 1992 hatten zwei Neonazis in Mölln Brandsätze auf von türkischen Familien bewohnte Häuser geworfen. Die 51-jährige Bahide Arslan sowie zwei ihrer Enkelinnen, die 10-jährige Yeliz Arslan und die 14-jährige Ayse Yilmaz, wurden getötet. Neun Menschen wurden schwer verletzt.

«Diese Nacht hat Schleswig-Holstein verändert», sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Die Anschläge hätten Traumata und Narben hinterlassen, die bis heute blieben, bei Überlebenden und insgesamt in der Gesellschaft. «Der Mordanschlag hat vor 30 Jahren einen dunklen Schatten auf ganz Schleswig-Holstein geworfen; die Welt blickte entsetzt zu uns in den Norden; Mölln wurde zum Synonym für mörderischen Rassismus», sagte er.

Der Umgang der Politik mit der Trauer der Angehörigen und Opfer habe von Anfang an in der Kritik gestanden, sagte Faruk Arslan vor einer Mahnwache in Mölln. «Wir wollten mit ihnen zusammen unsere Stimmen erheben, nicht gegen sie.»

Es gehe nicht nur um die Aufarbeitung der Geschehnisse und das Einbeziehen der Opferfamilien, sagte der Überlebende Ibrahim Arslan. Bei der Aufklärung in den Schulen müsse die Betroffenenperspektive in den Vordergrund gesetzt werden. Auch Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) betonte die Bedeutung der Opferperspektive bei der Aufklärung im Bildungsbereich. Dies sei auch Teil des Landesaktionsplans gegen Rassismus, sagte sie.

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